Der Motivationstrainer (NDR fernsehen)

11.12., 00.00-01.15, NDR fernsehen

Diskussion

„Selbstoptimierung“ funktioniert in den 1990er-Jahren wie ein Turbo-Buster im Business-Sprech der Neoliberalen, die daraus durchaus konsequenterweise auch gleich eine florierende Geschäftsidee entwickelten. Einer der ganz Großen in dieser Branche ist Jürgen Höller, der nach einer staatlich verordneten Zwangspause wegen Steuerhinterziehung inzwischen wieder ganze Hallen füllt und bis zu 70 Mitarbeiter beschäftigt, um Hausfrauen, Handwerker und Abiturienten, mitunter aber auch gestandene Manager für den Kampf nach oben fit zu machen.

Eineinhalb Jahre lang haben die Filmemacher Julian Amershi und Martin Rieck die Seminare des „Motivationstrainers“ Höller und seines Co-Trainers Mike Dierssen mit der Kamera begleitet. In ihrem Film werfen sie einen aberwitzigen Blick auf eine Branche, die auf bizarre Autosuggestion setzt und Mantras wie „Es geht mir von Tag zu Tag und in jeder Hinsicht immer besser und besser und besser“ oder„Ich ziehe Geld wie ein Magnet an“ einüben und die Teilnehmer zum Pop-Song „I’ve Got the Power“ gemeinsam in die Höhe springen lässt.

Für rund 2000 Euro für ein Wochenend-Seminar muss man dafür schon eine Menge Glauben mitbringen, um sich nicht übervorteilt zu fühlen. Der Film bleibt aber nicht Höller oder den Teilnehmern stehen, sondern zeichnet ein umfassenderes Bild, indem er der Frage nachgeht, warum erwachsene Menschen sich auf solche manipulativen Psycho-Techniken kaprizieren. Dabei wird deutlich, dass die Chiffre „Erfolg“ für sehr viel mehr als nur das Fortkommen im Beruf steht, da es im Kern um Existentielles geht: um Selbstbewusstsein, Zuwendung, Trost und Liebe.

Foto: NDR

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