Reise nach Indien (Servus TV)

13.12., 20.15-23.25, Servus TV

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In den 1920er-Jahren reist eine junge Engländerin (Judy Davis) nach Indien zu ihrem Verlobten, der dort als Beamter der Kolonialverwaltung tätig ist. Die fremde Kultur wirkt auf die puritanische Lady gleichermaßen als Verlockung wie als Gefährdung. Ihr Enthusiasmus, mit dem sie das wahre Indien kennenlernen will, wird schnell und herb enttäuscht. Denn zwischen den britischen Kolonialherren und den Einheimischen klafft ein tiefer gesellschaftlicher Graben. Auch der Verlobte behandelt Inder so abschätzig, dass seine Braut die Eheschließung in Frage stellt. Die Begegnung mit einem einheimischen Arzt löst dann tiefe Gefühlsverwirrungen bei ihr aus und provoziert einen Skandal.

Der letzte Film des englischen Altmeister David Lean (1908-1991) entstand nach dem Roman „A Passage to India“ (deutscher Titel: „Auf der Suche nach Indien“) von E. M. Forster. Ursprünglich sollte Michael Apted die Dreharbeiten leiten, doch dann bot sich für Lean die Chance, seine depressive Lethargie in Folge des Misserfolgs von „Ryans Tochter“ (1970) zu überwinden.Die mit brillanter Routine inszenierte Verfilmung wurde 1985 für insgesamt elf „Oscars“ nominiert und für die beste Nebendarstellerin (Peggy Ashcroft) sowie die beste Filmmusik auch ausgezeichnet. Die episch breite und trotz ihrer Überlänge nie langatmige Verfilmung glänzt mit außergewöhnlichen Figurenporträts und faszinierend-exotischen Bildern.

In drei formal sehr akzentuierten Kapiteln wird die konflikthafte Zuordnung der unterschiedlichen Perspektiven entfaltet, wobei der doppelte Schluss des Films sowohl die kulturkritisch-politische Ebene wie die des Melodramas bedient, was der Inszenierung Vorwürfe einhandelte, die Auseinandersetzung mit der Fragwürdigkeit ethnischen Stereotype zugunsten der Opulenz zu vernachlässigen. Richtig daran ist allenfalls, dass Lean das Thema auf der Ebene des 1924 erschienenen Romans behandelt, was Mitte der 1980er-Jahre vielen anachronistisch erschien.

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