Eine Armlänge Welt (3sat)

17.12., 22.25-23.45, 3sat (ERSTAUSSTRAHLUNG)

Diskussion

Der 800 Kilometer lange Jakobsweg nach Santiago de Compostela ist für jeden, der ihn zu Fuß bewältigen will, eine nicht eben leichte Herausforderung. Für Sven, den Protagonisten in dem Dokumentarfilm von Susanne Bohlmann ist es ein Unterfangen, das kaum umsetzbar scheint, denn Sven leidet am Usher-Syndrom, bei dem Hör- und Sehvermögen langsam schwinden. Er ist bereits vollkommen blind und kann nur mittels eines speziellen Hörgeräts kommunizieren, bei komplexen Abläufen ist er stets auf die Hilfe von ausgebildeten Assistentinnen angewiesen.

Bohlmann hat die von Sven forcierte Tour sechs Wochen lang in Spanien begleitet und merkt bald, dass dies keine „Heldenreise“ werden wird, wie sie angenommen hat. Die körperlichen Strapazen fordern ihren Tribut bei dem ungeübten Wanderer, vor allem aber bewirkt die fremde Umgebung ein hohes Stresslevel, das immer wieder zu Streit führt. Mehrere der insgesamt sieben beteiligten Assistentinnen brechen deshalb zwischendurch ab und fliegen nach Deutschland zurück. Ohne aufdringlich zu wirken, registriert die Kamera diese Dispute, in Einzelgesprächen dürfen alle Beteiligten offen ihre Perspektive und ihre spezifischen Probleme schildern. Auf dem Jakobsweg, wo Sven alle Hindernisse, aber auch alle landschaftlichen und baulichen Schönheiten erklärt werden müssen, enthüllt sich überdies die Distanz, die durch die fehlende geteilte Seherfahrung entsteht. Zugleich zeigt der hartnäckige Wunsch, die Reise meistern zu können, aber auch, wie tief im Menschen verwurzelt das Bedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit ist. – Ab 14.

Foto: ZDF/Susanne Bohlmann

Filmdetails
Kommentar verfassen

Kommentieren