arte-Schwerpunkt „Gegen das Vergessen“

Diskussion

Mit drei dokumentarischen Formaten hat arte im Januar einen Themenschwerpunkt zum Gedenken an die Opfer des Holocaust gesetzt, bei dem Zeugnisse aus der damaligen Zeit im Fokus stehen. „Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto“ (15.1., 20.15-21.45) der US-amerikanischen Dokumentaristin Roberta Grossman rekonstruiert die wenig bekannte Geschichte des Historikers Emanuel Ringelblum, der zusammen mit rund 60 anderen Frauen und Männern beschloss, die Gräueltaten der Nazis für die Nachwelt zu dokumentieren und das Belegmaterial sicher zu verwahren. Auf diese Weise schrieb die Gruppe zahlreiche Texte über das authentische Leben im Warschauer Ghetto, sammelte aber auch alle Arten von Bild- und Textmaterial, die die Nazi-Propaganda als Lüge entlarven würden, und vergruben sie unter einem Keller. Nur drei von Ringelblums Mitarbeitern überlebten den Holocaust, darunter die Kunstkritikerin Rachel Auerbach, aus deren Sicht der Film erzählt wird. Neben der sorgfältigen Rekonstruktion der mutigen Taten der Gruppe mit Hilfe von authentischem Archivmaterial, arbeitet Grossman auch mit überzeugend inszenierten und gut besetzten Reenactment-Szenen, die das Unfassbare des Geschehens einfühlsam nahebringen.

Der Zweiteiler „Als die Nazis an die Macht kamen“ (15.1., 21.45-23.30) handelt ebenfalls von einem gewaltigen Projekt: Regisseur Jérôme Prieur hat zehntausend Seiten von persönlichen Erinnerungen deutscher Emigranten zusammengetragen, denen 1939 von Wissenschaftlern der Harvard-Universität angetragen wurde, ihre Erfahrungen unter den Nazis aufzuschreiben. Aus diesen Zeugnissen, die in der deutschen Fassung von Eva Mattes vorgelesen werden, wird deutlich, wie die Nazis vom mangelnden Rückhalt der Weimarer Demokratie profitieren konnten.

„Das widerspenstige Leben von Marceline Loridan-Ivens“ (16.1., 23.15-00.45) schließlich rollt das Schicksal der späteren Filmemacherin Marceline Loridan-Ivens, geborene Rosenberg, auf. Als 15-Jährige wurde sie 1944 mit ihrem Vater verhaftet und nach Auschwitz deportiert, die traumatischen Erfahrungen dort prägten ihr ganzes weiteres Leben und auch ihre Kunst. Dem Dokumentarfilm liegt ein aufgezeichnetes Gespräch von Marceline Loridan-Ivens mit dem Regisseur Yves Jeuland zugrunde, in dem sie 2014 auf der Bühne des Forum des Images in Paris auf ihr Leben zurückblickte. Ihre Erinnerungen werden mit eingeblendeten Fotos, Archivbildern und Filmausschnitten ergänzt. – Sehenswert ab 16.

Alle Filme sind in der arte-Mediathek verfügbar:

zu „Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto“ (bis 14.4.)

zu „Als die Nazis an die Machtkamen (1) - Machtergreifung“ (bis 15.3.)

zu „Als die Nazis an die Machtkamen (2) - Gleichschaltung“ (bis 15.3.)

zu „Das widerspenstige Leben von Marceline Loridan-Ivens“ (bis 16.3.)


Foto aus „Das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto“: Anna Wloch

Kommentar verfassen

Kommentieren