Eric Rohmer-Special

Bis Juli sind Rohmers "Jahreszeiten"-Zyklus und viele weitere seiner Filme in der arte-Mediathek zu sehen.

Diskussion

Mit seinen von literarischem Geist beseelten Liebeskomödien, in denen sich inszenatorische Leichtigkeit mit substanziellen Dialogen paarten, hat der französische Filmemacher Eric Rohmer (1920-2010) das Kino auf einzigartige Weise bereichert. Arte würdigt den Regisseur Anfang 2019 in seiner Mediathek mit einem Special, das u.a. den kompletten „Jahreszeiten“-Zyklus beinhaltet, die ersten beiden „Moralischen Erzählungen“, eine „Kurzschluss“-Ausgabe und Videos, die Aspekte von Rohmers Stil beleuchten.


Zu den Filmen in der arte-Mediathek:

Frühlingserzählung (bis 14.7.)

Die Philosophielehrerin Jeanne lernt die junge Natacha, deren Vater und dessen jugendliche Freundin Eve kennen. Dadurch gerät sie in ein Ränkespiel zwischen Tochter und Geliebter, das das eigentlich harmonische Beziehungsgeflecht der Personen bedroht. Der erste Teil von Eric Rohmers filmischem Zyklus „Vier Jahreszeiten“ beschreibt in einer eleganten Inszenierung und mit leichter Hand das oft schwierige Miteinander der Menschen. - Sehenswert ab 16.

Wintermärchen (bis 14.7.)

Eine junge Frau hofft jahrelang auf die unwahrscheinliche Rückkehr des geliebten Mannes. Bis der Geliebte unverhofft und wie durch ein Wunder auftaucht, um mit ihr weiter zu leben, versucht sie nur unzulänglich, ihre Bemühungen um zwei andere Männer zu klären. Der zweite Film aus dem Zyklus „Vier Jahreszeiten“ handelt in gewohnt leichter und dialogbetonter Weise von Rohmers Generalthema - den Bedingungen der Liebe und der Liebe als Voraussetzung des Glücks. - Sehenswert ab 16.

Sommer (bis 20.7.)

Der junge Gaspar begegnet während der Sommerferien drei Frauen in seinem Alter, doch durch seine Unsicherheit bleiben die Bindungen zwischen Freundschaft und Liebe flüchtig. Mit ausgezeichneten Darstellern entwickelt Rohmer die Widersprüche zwischen Gefühl, Wort und Tat. In fast dokumentarischem Stil und mit ökonomischsten Mitteln gelingen sensible Beobachtungen von sommerlicher Leichtigkeit. - Sehenswert ab 14.

Herbstgeschichte (bis 14.7.)

Zwei Frauen aus unterschiedlichen Generationen wollen für eine verwitwete Winzerin einen Mann finden und bedienen sich dabei unterschiedlicher Tricks, Lügen und Halbwahrheiten. Erst als sich alle Beteiligten zur Wahrheit bekennen, ist für die Mittvierzigerin eine glückliche Zukunft möglich. Ein beschwingt erzählter Film, der bei aller Gelöstheit das existenzielle Thema der Glückssuche nie auf die leichte Schulter nimmt. Subtile Unterhaltung, die zum Nach- und Überdenken einlädt. - Sehenswert ab 16.

Pauline am Strand (bis 27.1.)

Die 15-jährige Pauline reist mit ihrer schönen älteren Kusine in einen Ferienort, wo sich mit männlichen Urlaubsbekanntschaften von unterschiedlichem Alter und Charakter diverse „Wahlverwandtschaften“ und skurrile Debatten über Liebe, Treue, Lust und Leidenschaft ergeben. Ein federleicht scheinendes, aber präzise und scharfsinnig inszeniertes Spiel um Rollenmuster, trügerische Verhaltensweisen und den alltäglichen Widerspruch zwischen Reden und Handeln. - Ab 14.

Die Bäckerin von Monceau (bis 25.1.)

Rohmers erster Beitrag zu seinem Zyklus „Moralische Erzählungen“: Der 23-minütige Film weist bereits viele der Motive auf, die für das weitere Werk des Filmemachers charakteristisch werden, so etwa die Figur des romantisch veranlagten Mannes zwischen mehreren Frauen. In diesem Fall verliebt sich ein Jurastudent zunächst in eine Frau, die ihm täglich auf dem Weg zum Abendessen begegnet. Als sie von einem Tag auf den anderen verschwindet, sucht er sie und macht dabei die Bekanntschaft einer Bäckerei-Verkäuferin. - Sehenswert ab 14.

Die Karriere von Suzanne (bis 25.1.)

Rohmers zweite „Moralische Erzählung“, in der er den Sieg des „moralischen Instinkts“ gegen das berechnende Kalkül feiert: Von ihrem Geliebten und dessen Freund schlecht behandelt, kann sich Suzanne von beiden Männern lösen und in eine glückliche Beziehung zu einem dritten Mann retten. – Sehenswert ab 14.

Kurzschluss - Schwerpunkt Eric Rohmer (bis 25.1.)

Die Ausgabe des Kurzfilm-Magazins enthält u.a. ein Interview mit Rohmers Kollegen Barbet Schroeder, die 1962 gemeinsam die Produktions- und Verleihfirma „Les films du losange“ gründeten, und mit dem Schauspieler Melvil Poupaud, der 1996 die Hauptrolle in „Sommer“ spielte. Abgerundet wird die Würdigung von Eric Rohmer durch den Kurzfilm „Tiere wie wir“ der Belgierin Camille Mol, die wie Rohmer ein Szenario um Liebe, Begehren und das Fehlen adäquater Worte entwirft. - Sehenswert ab 16.

Short Cuts „Sommer“ (bis 20.1.2021)

Die französische Animationsfilmemacherin Marion Auvin fasst Eric Rohmers Spielfilm „Sommer“ in einer Minute und als Animation zusammen.

Ein persönlicher Blick auf Eric Rohmer (bis 31.8.)

In den 90er Jahren drehte Eric Rohmer seine letzte Filmreihe der „Erzählungen der vier Jahreszeiten“. Françoise Etchegaray und Mary Stephen, die Produzentin und die Cutterin Rohmers, sprechen über die Dreharbeiten der vier Filme.

Blow up - Filmgeschichte: Eric Rohmer (bis 6.9.2020)

Frédéric Bas blickt auf Leben, Werk, Stil und Motive des Filmemachers zurück.

Blow up - Stahl in den Filmen von Eric Rohmer (bis 9.6.2019)

Der Filmemacher Benoît Forgeard, der sich in seinen eigenen Werken absurden und surrealistischen Szenarios verschrieben hat, „analysiert“ die Funktion von Stahl in Eric Rohmers Filmen.


Foto: arte

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