Filmklassiker: „Kosmische Reise“

Mittwoch, 30.01.2019

Ein frühes sowjetisches Weltraum-Abenteuer, beseelt vom Fortschrittsglauben der frühen 1930er-Jahre

Diskussion

Der von 1933 bis 1935 produzierte sowjetische Science-Fiction-Film „Kosmische Reise“ verbreitet ungebrochenen Zukunftsoptimismus: Einige mutige Bewohner der Sowjetunion reisen von einem futuristischen Moskau aus ins All und betreten als erste Menschen den Mond. Das schauprächtige Weltraum-Abenteuer mit für die damalige Zeit erstaunlichen Tricks ist mit viel informativem Begleitmaterial neu in der „Edition Filmmuseum“ erschienen.

„Im Sommer 1946 beschloss der bedeutende Astrophysiker Akademiemitglied Sedych zum Mond zu fliegen.“ – Mit dieser Mitteilung beginnt „Kosmische Reise“, der nach „Aelita“ (1924, Regie: Jakow Protasanow) erste sowjetische Science-Fiction-Film, der zwischen 1933 und 1935 produziert wurde und am 21. April 1936 in die Kinos kam. Er atmet ganz den Geist einer Aufbruchsstimmung: Stalin hatte der Industrie und Landwirtschaft, zugleich auch der Wissenschaft und Technik der UdSSR hochgradig ehrgeizige Ziele vorgeschrieben, die es nun allseits zu propagieren galt.

Dass diese Zielvorgaben auf dem Rücken von Hunderttausenden Zwangsarbeitern durchgepeitscht wurden, von verheerenden Hungersnöten begleitet waren und schließlich zu einem Gulag-System ungeahnten Ausmaßes führten, ist bekannt. Vor diesem Hintergrund mag uns das naive Pathos des Films heute wie ein fatales Trugbild erscheinen. Damals kündete das sowjetische Raumschiff-Abenteuer von einem tiefen und subjektiv durchaus auch ehrlichen Glauben

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