Berlinale 2019: Interview mit Dieter Kosslick

Mittwoch, 06.02.2019

Der Mann mit den roten Schal lädt zum letzten Mal zur "Berlinale". Ein Gespräch über 18 Jahre an der Spitze eines internationalen Filmfestivals

Diskussion

Eine Ära geht zu Ende. Zum letzten Mal eröffnet der Mann mit dem roten Schal am Donnerstag die „Berlinale“, die er seit seinem Amtsantritt im Jahr 2001 wie kein anderer Festivalchef vor ihm umgekrempelt hat. Im Rückblick erinnert sich „Mr. Berlinale“ an wunderbare Momente und schreckliche Situationen, an tolle Gäste und harsche Auseinandersetzungen. Ein Abschied zwischen Wehmut und Freude, der zugleich auch ein Aufbruch ist.


Herr Kosslick, Ihre letzte „Berlinale“ naht. Haben Sie ein Tränchen im Auge?

Dieter Kosslick: Ein Tränchen würde ich nicht sagen. Ein bisschen wehmütig ist mir schon ums Herz, aber da ist auch die Freude, dass die „Berlinale“ 18 Jahre so gut gelaufen ist. Die Freude überwiegt die Wehmut.


Was waren die wichtigsten Themen in der „Ära Kosslick“ und welche dominieren das Programm 2019?

Kosslick: Die Themen legten immer den Finger in die Wunde – ob Flüchtlinge, Einsatz für Menschenrechte, verbotene Regisseure, Landwirtschafts- und Lebensmittelindustrie, Gender-Gerechtigkeit… Ganz aktuelle politische Fragestellungen. In diesem Jahr könnte man den Alt-68er-Spruch „Das Private ist politisch“ wieder nehmen, weil das Private noch politischer geworden ist als es war, sei es Familie, Kindheit, Konsum oder Gendergerechtigkeit. Eine „Berlinale“, wie sie leibt und lebt.

Energetisch: "Mr. Berlinale" Dieter Kosslick
Energetisch: "Mr. Berlinale" Dieter Kosslick


Die „Berlinale“ gilt als politisches Festival. Ist das noch zeitgemäß? Leidet unter der Fokussierung auf politische Themen nicht auch mal die künstlerische Qualität oder der Glamour-Faktor?

Kosslick: Nur „l’art pour l’art“ geht in der heutigen Zeit mit ihren Problemen wirklich nicht, Kunst muss immer auch Realität reflektieren. Hunderttausende von Zuschauern für dieses Programm über die Jahre sprechen für sich. Qualität ist eine Einschätzungsfrage. Wir wählen die nach unserer Meinung besten

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