Meine glückliche Familie (ZDF)

18.2., 00.10-02.00, ZDF (ERSTAUSSTRAHLUNG)

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Kurz nach ihrem 52. Geburtstag beschließt die Lehrerin Manana aus Tiflis, aus der beengten Drei-Zimmer-Wohnung ihrer Großfamilie auszuziehen. Ihr Wunsch nach einem eigenen Raum stürzt den Clan in helle Aufregung, weil niemand versteht, dass es Manana weniger um eine Trennung als vielmehr um ihre Selbstständigkeit geht. Was oder vor allem wer ist der Grund für die Flucht? Manana sei doch längst aus dem Scheidungsalter heraus und habe einen Ehemann, der nicht trinkt oder sie schlägt, heißt es im vielstimmigen Chor der Umwelt. Doch die Pädagogin bleibt sich und tut etwas, was im patriarchalen Georgien eigentlich undenkbar ist: Sie packt ihre Koffer und zieht aus.

Der lebensnahe, tief in der georgischen Kultur verankerte Ensemblefilm von Nana Ekvtimishvili zeichnet die Geschichte einer Befreiung, wobei er eine feine Balance zwischen leichter Ironie und existenzialistischer Dringlichkeit wahrt. Der Film erzählt nahe an den Figuren zwischen Drama und Tragikomik. Am Beispiel von Mananas sanfter Emanzipation entwickelt sich die Beschreibung einer Gesellschaft im Übergang zwischen alten Rollenbildern und neuen Lebensentwürfen. Der archetypische Konflikt ist auf viele Nationalitäten und Kulturen übertragbar, auch auf Menschen, die nach Europa fliehen.

„Meine glückliche Familie“ ist Teil einer ZDF-Reihe „Familienbande - Sechs junge Kinofilme“, die familiäre Beziehungsgeflechte auf unterschiedliche Weise in den Mittelpunkt rücken. Weitere Beiträge sind „Onkel Wanja“ (25.2.), „König von Deutschland“ (4.3.), „Die Familie“ (11.3.) und „Die Tochter“ (18.3.)

Foto: ZDF

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