Ein weiblicher Apostel

Freitag, 09.03.2018

Der Regisseur Garth Davis im Gespräch über „Maria Magdalena“

Diskussion

Biblische Frauenfiguren wurden in der Kunst- wie in der Filmgeschichte häufig in gegensätzliche Extreme gepresst: keusche Jungfrau oder Hure, beschützende Mutter oder Femme fatale. Auch die Gestalt der Maria Magdalena hat die Fantasie der Künstler zu äußerst unterschiedlichen Werken angeregt. Fast immer glaubten sie, sich zwischen zwei Eigenschaften entscheiden zu müssen: entweder sinnlich-verführerische oder in sich gekehrte, reuig nachdenkliche, melancholische Figur. Auch der Betrachter scheint dazu aufgefordert, sie als renitente Sünderin zu verdammen oder ihr einen gleichberechtigten Platz unter den Aposteln einzuräumen.

Zwei paradigmatische Werke dieser zweiten Traditionslinie stammen von Caravaggio und Georges de la Tour. Der Film von Garth Davis wirkt in der Ausgestaltung der Rolle von Maria Magdalena bisweilen wie von diesen beiden Malern inspiriert. Es sind konzentrierte Innenraumszenen, die Maria alleine und ins Sinnen versunken zeigen, wie unmittelbar vor oder nach einer schweren Entscheidung. Es scheint, als zöge die Figur eine besondere Stärke aus dieser Selbstreflexion innerhalb eines geschützten Raums. Ihnen stehen zwei andere Szenen nicht nach, in denen Maria Magdalena als starke Entscheiderin und bestimmende Handelnde vor Augen tritt: als sie eingangs Geburtshilfe leistet, die symbolisch auf die Lazarus-Geschichte vorausweist, und als „Barmherzige Samariterin“, die die dem Tod geweihten Opfer einer römischen Razzia in den Höhlen einer Geisterstadt nicht im Stich lassen kann.

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