Kirchen ehren Kosslick

Ökumenischer Ehrenpreis für den scheidenden "Berlinale"-Chef

Diskussion

Die beiden christlichen Kirchen haben den scheidenden „Berlinale“-Direktor Dieter Kosslick geehrt. Am Sonntag erhielt Kosslick der Ehrenpreis der Ökumenischen Jury, beim Empfang der beiden Kirchen zu den 69. Berliner Filmfestspielen.


Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Bischofskonferenz, Bischof Gebhard Fürst, erklärte, nach 18 Jahren ende mit Kosslicks Rückzug "eine Ära".Die Präsidentin von Interfilm, Julia Helmke, dankte Kosslick für seine "dauerhafte und substanzielle Unterstützung" der Ökumenischen Jury und seinen Einsatz für die „Berlinale“. Das Festival habe sich unter ihm auch zu einem politischen Festival entwickelt. "Man erkennt vielleicht erst heute, nach der Erschütterung zahlreicher politischer, moralischer und kulturell-kommunikativer Gewissheiten, den Wert und die Bedeutung dieser entschiedenen Positionierung."

Kosslick dankte mit einer beherzten Rede für die Auszeichnung. Filme zeigten auch, "wie Menschen eigentlich ihr Leben führen müssen", sagte der Festivaldirektor unter Verweis auf Beiträge der „Berlinale“ zum Schicksal von Flüchtlingen. Er appellierte an die Kirchen, "als der natürliche und einzige Verbündete" dieser Menschen weiter mit Empathie auf Fremde zuzugehen. Vehement ging er mit der Politik des Innenminister Seehofer (CSU) ins Gericht, die dem christlichen Anspruch im Parteinahmen Hohn spreche.


Vermittler von Wirklichkeit

In seiner Rede zum Kirchenempfang würdigte Bischof Gebhard Fürst die gesellschaftliche Funktion der Medien. Niemand könne "alle Sachverhalte selbst prüfen, um so ein wahrheitsgetreues Bild von der Wirklichkeit zu gewinnen, sondern wir brauchen dazu Vermittler", sagte der in der katholischen Kirche für Medien zuständige Bischof.

Das Kino spiele in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle, so Fürst weiter. "Der Film arbeitet mit der Fiktion, die den Zuschauer nicht täuscht, keinen Wahrheitsanspruch erhebt, aber dennoch wahrhaftig sein kann." Wer ins Kino gehe, lasse vorübergehend "die sogenannte wirkliche Welt" und die Netzwerke hinter sich, um sich einer anderen Wahrnehmungsform zu überlassen.

Der Bischof würdigte auch die Auseinandersetzung des Kinos mit dem Missbrauchsskandal in der Kirche. Dabei verwies er auf den Beitrag "Grace a Dieu" von Francois Ozon; der Film befasst sich fast dokumentarisch mit priesterlichem Missbrauch in Frankreich. Der Blick sei schmerzhaft, aber die Kirche habe sich zu rückhaltloser Aufklärung entschlossen, so Fürst. Dazu gehöre auch die Perspektive der Opfer. Hier könnten Filme neue Einblicke und Impulse bieten.


Das Kino steckt in der Krise

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, konstatierte eine tiefe Krise des deutschen Kinos. Diese habe nicht nur wirtschaftliche oder technologische Ursachen: "Es gibt gezielte Angriffe von Rechtsextremen gegen Kulturschaffende, auch aus der Welt des Films." Es brauche mehr Solidarität, denn das Kino könne einen "Beitrag für eine demokratische Kultur" leisten.

Die Ökumenische Jury wird von den Filmorganisationen Interfilm und Signis getragen. Beim Empfang wurde auch die diesjährige Ökumenische Jury vorgestellt. Präsidentin ist die Medienwissenschaftlerin Anna Grebe. Als wesentlich für die Ökumenische Jury nannte sie, "die Botschaft Christi im und durch den Film entdecken zu können".


Foto: Berlinale

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