Berlinale 2019: Jayro Bustamante über „Temblores“ (Panorama)

Montag, 11.02.2019

Ein Interview mit dem guatemaltekischen Filmemacher über evangelikale und andere fundamentalistische Umtriebe in seinem Land

Diskussion

Sein Debütfilm „Ixcanul“ brachte dem guatemaltekischen Regisseur Jayro Bustamante 2015 auf Anhieb einen Silbernen Bären ein. Jetzt ist er mit einem neuen Film wieder in Berlin. „Temblores“ ("Erdbeben") erzählt von einem Familienvater, der sich in einen Mann verliebt und dafür Gattin und Kinder verlässt. Seine Familie und seine evangelikale Gemeinde versuchen ihn auf den Pfad der Tugend zurückzubringen.


Der Film handelt von einem Menschen, der mit den strengen moralischen Vorstellungen seiner evangelikalen Gemeinde in Konflikt kommt. Welchen gesellschaftlichen Stellenwert besitzt der christliche Fundamentalismus in Guatemala?

Jayro Bustamante: Die Evangelikalen haben einen gewaltigen Einfluss. Selbst Präsidentschaftskandidaten, die bis dahin nicht als besondere religiöse Menschen aufgefallen sind, werden ab dem Moment, an dem ihre Kandidatur feststeht, superreligiös, weil das sich im Wahlkampf gut verkauft. Wenn man in ein Taxi steigt, fängt der Fahrer gleich zu predigen an und seinen Glauben zu bekennen, weil das in der Gesellschaft wieder wichtig geworden ist. Ganz neu ist das in Guatemala aber nicht. Der letzte Diktator, Ríos Montt, der wegen Völkermord verurteilt wurde, erhielt in den USA eine Ausbildung als Prediger. Das führte dazu, dass sich die evangelikalen Gemeinschaften der militärischen und politischen Macht anschlossen.


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