Berlinale 2019: Eine Bilanz

Montag, 18.02.2019

Der Abschluss der Filmfestspiele und der Abschied vom Festivalchef Dieter Kosslick schaukelten sich gegenseitig in seltsam harmonische Höhen

Diskussion

Emotional und optimistisch präsentierten sich die Filmfestspiele in Berlin im letzten Jahr unter „Berlinale“-Direktor Dieter Kosslick. Der allgemeine Hang zur Harmonie fiel 2019 auch im Wettbewerb auf, wo sich viele anspruchsvolle und herausragende Filme fanden. Die Preisverleihung geriet zur  Feierstunde für den Festivalchef, die sich auch in den Auszeichnungen niederschlug. Eine Bilanz der „Berlinale“ 2019.


Harmonisch geht die Welt zugrunde. Besucher der 69. „Berlinale“ (7.-17.2.2019) konnten durchaus ins Staunen geraten angesichts der allseits demonstrierten optimistischen Stimmung, mit der sich die letzte Festival-Ausgabe unter der Leitung von Dieter Kosslick schmückte. Das in den Vorjahren immer stärker aufflammende Murren über die künstlerische Stagnation des Festivals bei gleichzeitig ständig weiterer Ausdehnung hatte schon im Vorfeld einer Welle aus Hymnen Platz gemacht, die sich während der „Berlinale“ noch steigerte: Die 18 Jahre unter dem scheidenden Direktor wurden von zahlreichen Laudatoren aus Filmbranche, Politik und Presse – nicht zuletzt aber auch von Kosslick selbst – als fast ungebrochene Erfolgsgeschichte dargestellt, während der ein künstlerisch darbendes und publikumsfernes Festival zum Magnet für das internationale Kino und für die Berliner Zuschauer avanciert sei.

Man mochte kaum an Zufall glauben, dass fast exakt zur Mitte der Filmfestspiele im Wettbewerb außer Konkurrenz ein Film seine Weltpremiere feierte, der die vorherrschende Atmosphäre am trefflichsten auf den Punkt brachte: „L’Adieu à la nuit“ des französischen Altmeister André Téchiné handelt von der Konfrontation einer herzensguten Gestütsbesitzerin mit ihrem Enkel, der sich eine radikal neue Sicht der Welt angeeignet hat, zum Islam konvertiert ist und sich mit Hilfe von Gleichgesinnten und Anleitungen aus dem Internet darauf vorbereitet, in den „Heiligen Krieg“ nach Syrien zu ziehen.

"L'Adieu à la nuit" von André Téchiné
"L'Adieu à la nuit" von André Téchiné

Als die von Catherine Deneuve gespielte Großmutter davon erfährt, ist sie schockiert, versucht es aber weiterhin im Guten. Zuerst erreichen weder ihre Vorhaltungen noch die Hilfe eines reuig zurückgekehrten Syrienkämpfers den jungen Mann, den sie im Pferdestall eingesperrt hat. Das Ende aber gewährt ihr einen Hoffnungsstrahl, den verstockten Enkel mit der Zeit doch wieder zu erreichen. Früher im Film hatte dieser erklärt: „Du willst immer, dass Harmonie herrscht“ – ei

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