Zum Tode von Stanley Donen

Sonntag, 24.02.2019

Ein Nachruf auf den Großmeister des klassischen Hollywood (13.4.1924-21.2.2019)

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Der unübertroffene Meister leichtfüßig-romantischer Komödien ist tot: Stanley Donen (13.4.1924-21.2.2019). Kein anderer hat dem klassischen Hollywod-Kino durch Eleganz, Timing und elaborierte Choreografien einen so unvergleichlichen Charme verliehen wie Stanley Donen. Ein Nachruf auf ein begnadetes Genie, dessen Leben sich selbst wie ein Hollywood-Film liest.


Das Leben von Stanley Donen, der am 13. April 1924 in Columbia, South Carolina, zur Welt kam, lässt sich selbst als eine Hollywood-Story mit „Happy Ending“ in Kurzfassung erzählen: Mit neun Jahren sah er zum ersten Mal Fred Astaire in Thornton Freelands „Flying Down to Rio“ (1935). Er schaute sich diesen Film wieder und wieder an und nutzt die sommerlichen Familienferien in New York für die großen Revuen. Mit 16 Jahren schloss er die High School ab und entschied sich, nicht ins Modehaus seines Vaters einzusteigen, sondern Tänzer zu werden. Von Columbia aus macht er sich auf den mühseligen Weg einer Tanzkarriere, die schnell zum Ticket ins Filmgeschäft wurde. Am Broadway in New York traf er in der George-Abbott-Produktion „Pal Joey“ auf Gene Kelly, der ihm den Eintritt nach Hollywood verschafft, wo er vom Tänzer zum Choreografen und Produktionsassistenten aufsteigt. Donen und George Abbott führen bei zwei, Donen und Gene Kelly bei drei Filmen gemeinsam Regie. In „Königliche Hochzeit“ (1949), seinem ersten Film, den er 25-jährig allein als Regisseur verantwortete, stand sein Idol Fred Astaire vor der Kamera. Zwischen 1949 und 1999 führte Stanley Donen bei insgesamt 28 Spielfilmen Regie.


Große Namen einer großen Karriere

Es war nur eine kleine Randnotiz am Ende des Jahres 2013, doch für Liebhaber der romantischen Komödie eine Sensation: Stanley Donen will wieder einen Film drehen! Der letzte lebende namhafte Regisseur des ausgehenden klassischen Hollywood-Kinos plante 15 Jahre nach seiner Fernseharbeit „Hoffnungslos verliebt“ (1999) und 30 Jahre nach seinem letzten Kinofilm „Schuld daran ist Rio“ (1984) ein Comeback. Zusammen mit seiner Partnerin Elaine May hatte Donen ein Drehbuch für eine Komödie verfasst, die selbstreflexiv um das kreisen sollte, was beim Drehen eines Films alles schieflaufen kann. Mike Nichols, seinerseits ein legendärer Regisseur, sollte Donens neues Werk produzieren. An einer Lesung des Drehbuchs für mögliche Investoren nahmen laut ersten Berichten Christopher Walken, Charles Grodin und Ron Rifkin teil.

Joseph Bologna, Michelle Johnson und Michael Caine in "Schuld daran ist Rio"
Joseph Bologna, Michelle Johnson und Michael Caine in "Schuld daran ist Rio"

Große Namen waren eine Konstante in der Karriere von Stanley Donen. Er hat sie alle vor der Kamera versammelt, in leichtfüßigen romantischen Komödien, die durch ihre Eleganz, ihr präzises Timing, ihre elaborierten Choreografien und ihren unvergleichlichen Charme bestechen. Donen, der Großmeister des klassischen Hollywood-Films, hat von den 1940er-Jahren bis in die 1960er-Jahre wichtige filmhistorische Akzente gesetzt.

Dass er sich für sein Alterswerk ausgerechnet das Scheitern einer Filmproduktion ausgesucht hat, mag wenig verwundern. Haftet dem Regisseur doch bis heute die Aura an, er sei einer der großen Unbekannten in Hollywood, der zudem im Schatten von Gene Kelly gestanden habe. Es wäre jedoch verkürzt, Donen nur auf seine beachtlichen Erfolge in der Weiterentwicklung des Filmmusicals zu reduzieren, das der ausgebildete Tänzer und Choreograf besonders durch „On location“-Drehs und die souveräne Einbettung der Songs in die Handlung bereichert hat.


Vom Musical zur Komödie

Als in Hollywood weniger gesungen wurde, schwenkte Donen zu romantischen Komödien ohne Gesang um. Seine Krimikomödie „Charade" (1963) bekam das Prädikat, der beste Hitchcock-Film zu sein, der nicht von Hitchcock gemacht wurde. Auch „Arabesque“ besitzt viele Merkmale eines Hitchcock-Thrillers in seiner Mischung aus Erotik, Suspense und Witz. Auch ernste soziale Dra

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