Ein Abend mit John Ford (arte)

Donnerstag, 07.03.2019

17.3., 20.15-23.10, arte

Diskussion

„Wenn die Legende zur Wahrheit geworden ist, druckt die Legende!“ Der berühmteste Satz aus einem der fast 150 Filme, bei denen John Ford zwischen 1917 und 1966 Regie führte, fällt in seinem Western „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“, in dem Ford die Genre-Mythen auf den kritischen Prüfstand stellt. Der Politiker Ransom Stoddard (James Stewart) macht Karriere bis in den Senat, nachdem er in einem Duell den berüchtigten Banditen Liberty Valance (Lee Marvin) erschossen und damit die Willkürherrschaft der Revolverhelden in einer Kleinstadt beendet hat. Jahre später stirbt sein ehemaliger Freund Tom Doniphon (John Wayne), der seinerzeit mit ihm um die Gunst seiner späteren Ehefrau Hallie (Vera Miles) konkurriert hatte. Bei einer Stellungnahme vor Journalisten enthüllt der Senator, was seinerzeit wirklich geschah – ohne den Mythos damit brechen zu können.

Der Film, das letzte Meisterwerk in Fords Karriere, läuft 20.15-22.15 auf arte, anschließend analysiert ein neuer Dokumentarfilm die Besonderheiten von seinem Oeuvre. „John Ford – Der Mann, der Amerika erfand“ (22.15-23.10) entwickelt anhand von Filmausschnitten sowie Interviews und anderer Privataufnahmen des Regisseurs die Theorie, dass sich Ford in seinen Filmen ein erträumtes Amerika erschuf. Utopien und Mythen spielten dabei eine große Rolle, wurden aber zusehends mit einer ambivalenteren Haltung vermengt. Zudem blickt die Dokumentation auch auf die Auswirkungen von Fords Werken auf das US-amerikanische Selbstbewusstsein, indem sie etwa die heutige prekäre Lage der Navajo-Stämme auf dem Gebiet des alten Wilden Westens aufgreift. – Sehenswert ab 14.


Foto aus „John Ford – Der Mann, der Amerika erfand“ (Dreharbeiten zu „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“, v.l.n.r.: James Stewart, John Ford, John Wayne): Alamy Stock Photo

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