Ein Abend mit Agnès Varda (arte)

Donnerstag, 07.03.2019

18.3., 20.15-01.25, arte

Diskussion

Bei der „Berlinale“ 2019 nahm die 90-jährige französische Filmemacherin Agnès Varda eine „Berlinale Kamera“ für ihr Lebenswerk entgegen und stellte zugleich ihren Film „Varda par Agnès“ vor, der als ihr Abschiedswerk angesehen wird. Mitproduzent arte zeigt den Film heute in zwei Teilen unter dem Titel „Agnès Varda – Publikumsgespräche“ (23.25-00.25 und 00.25-01.25). Während sich der erste Teil der „analogen Zeit“ von 1954 bis 2000 widmet, greift der zweite Teil Vardas Arbeiten von 2000 bis 2018 auf, in denen sie die Möglichkeiten der digitalen Technik auf eigenwillige Art für ihre Zwecke zu nutzen verstand.

Mit ihrem unvergleichlichen Charme blickt die Regisseurin in dem Film auf ihre Arbeit und ihr Leben zurück, offenbart Hinter- und Beweggründe ihrer Filme und erweist Weggefährten Reverenz – von ihrem Mann Jacques Demy über wichtige Kollegen wie Alain Resnais bis zu SchauspielerInnen wie Sandrine Bonnaire. Ausgehend von einem vorlesungsartigen Auftritt vor Studenten in einem Theater verknüpft Varda assoziativ ihre Filme miteinander, springt zwischen den Zeiten hin und her und vermittelt so auch ihre sprühende Kreativität, die sie in sieben Jahrzehnten hinter der Kamera nie aufgegeben hat. Der Wechsel zwischen Vortrag, Gesprächssequenzen und Filmausschnitten ist als Dokumentarfilm zwar weit weniger innovativ als viele ihrer ebenso komplexen wie ausgefeilten Werke von „Daguerréotypen“ (1975) bis zu „Augenblicke: Gesichter einer Reise“ (2017), stellt aber einen außergewöhnlich informativen Querschnitt durch ein faszinierendes Werk dar.

Zwei der wichtigsten Beispiele für Agnès Vardas Filmkunst laufen zuvor auf arte: „Vogelfrei“ (20.15-21.55) bildet die letzten Wochen im Leben einer jungen Vagabundin (Sandrine Bonnaire) im winterlichen Südfrankreich ab, der bei aller dokumentarischen Distanz ein hohes Maß an Betroffenheit vermittelt. „Cléo – Mittwoch zwischen 5 und 7“ (21.55-23.25) war 1962 das gefeierte Spielfilmdebüt von Varda, in dem sie in Echtzeit von den 100 bangen Warteminuten erzählt, die eine junge Sängerin (Corinne Marchand) auf die Diagnose eines Arztes wartet – eine im Grunde nüchtern beobachtende Studie, die aber voller poetischer und skurriler Einfälle steckt. – Sehenswert ab 16.


Foto aus „Agnès Varda – Publikumsgespräche“: Cine Tamaris

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