Deutscher Filmpreis: Die Verleihung 2019

Freitag, 03.05.2019

Am Freitag, 3. Mai, werden im Palais am Funkturm in Berlin die Deutschen Filmpreise 2019 verliehen

Diskussion

Am heutigen Freitag, 3. Mai, wird im Palais am Funkturm in Berlin der Deutsche Filmpreis 2019 verliehen. Als Favoriten gehen das Biopic „Gundermann“ von Andreas Dresen, Caroline Links Bestseller-Verfilmung „Der Junge muss an die frische Luft“ und das Hochsee-Drama „Styx“ von Wolfgang Fischer in die „Lola“-Preisverleihung. Moderiert wird die Gala von der Schauspielerin Désirée Nosbusch und dem Komiker Tedros Teclebrhan.


Die Verleihung der deutschen Filmpreise ist weit weniger glamourös als etwa die „Oscar“-Preisgala, doch finden sich bei der Veranstaltung in Berlin mittlerweile doch regelmäßig die großen Stars der deutschen Filmbranche zusammen, um das vergangene Kinojahr und ein Stück weit sich selbst zu feiern. Die „Lola“-Gala im vergangenen Jahr fiel bekanntlich ungewöhnlich politisch aus: Der bosnisch-stämmige Moderators Edin Hasanovic teilte kritische Anmerkungen zur Situation von Migranten in Deutschland angesichts steigender Zustimmung ausländerfeindlicher Positionen aus nebst Seitenhieben über Rollenklischees für Darsteller mit Migrationshintergrund. Auch die Auszeichnungen für den großen Gewinnerfilm des Jahres 2018, „3 Tage in Quiberon“, setzten ein klares Zeichen, stellt der Film über einen desaströs verlaufenden Interviewtermin der gesundheitlich und psychisch angeschlagenen Schauspielerin Romy Schneider doch unmissverständlich auch Bezüge zu aktuellen Enthüllungen über die fatale Wechselbeziehung zwischen schauspielerischer Selbstausbeutung und aggressiv-übergriffigem männlichen Verhalten in der Showbranche her.

Mit der Schauspielerin Désirée Nosbusch und dem Komiker Tedros Teclebrhan steht diesmal ein Moderatoren-Duo auf der Bühne, das ebenso neu am Start ist wie der neue Präsident der Deutschen Filmakademie, Ulrich Matthes. Ein politisches Signal könnte die Preisverleihung dieses Jahr vor allem durch Auszeichnungen für das Hochsee-Drama „Styx“ senden. Sechs Nominierungen fallen auf das im Südatlantik spielende Thriller-Drama „Styx“ von Wolfgang Fischer, darunter auch für die Leistung der Hauptdarstellerin Susanne Wolff, die als deutsche Ärztin auf Yacht-Tour einem havarierten Flüchtlingsschiff begegnet und über weite Strecken allein auf der Leinwand agiert.

Konkurrenz hat „Styx“ vor allem durch „Gundermann“, Andreas Dresens komplexe filmische Annäherung an den „singenden Baggerfahrer“ Gerhard „Gundi“ Gundermann, dessen wechselvolle Karriere als Musiker und seine ambivalente Haltung zur DDR zwischen Systemkritik und Stasi-Tätigkeit. Die Filmbiografie geht mit zehn Nominierungen als Favorit ins Rennen um die Deutschen Filmpreise 2019. Bei der Bekanntgabe der diesjährigen Kandidaten wurde der Film unter anderem für Regie und Drehbuch sowie als Hauptdarsteller Alexander Scheer vorgeschlagen.

Bereits fest steht die Auszeichnung von Caroline Links Verfilmung des autobiografischen Hape-Kerkeling-Bestsellers „Der Junge muss an die frische Luft“ als „Besucherstärkster Film des Jahres“, daneben tritt der Film auch in der Spielfilm-Kategorie sowie unter anderem bei Regie und Drehbuch an.

Ergänzt wird die Auswahl der sechs besten Spielfilme durch das Road Movie „25 km/h“ (keine weitere Nominierung), die Liebeskomödie „Das schönste Mädchen der Welt“ (unter anderem auch nominiert für das Drehbuch) und Christian Petzolds eigenwillige Anna-Seghers-Adaption „Transit“, die ansonsten nur in der Kategorie „Bester Ton“ Erwähnung fand.

Nahezu leer ging Florian Henckel von Donnersmarcks von der Filmkritik heftig kritisiertes Künstlerepos „Werk ohne Autor“ aus, bei dem nur Nebendarsteller Oliver Masucci für seine Joseph-Beuys-Kopie vor den Augen der Filmakademie Gnade fand.

Filmpreis-Abonnent Fatih Akin muss sich mit seiner kruden Horror-Mär „Der Goldene Handschuh“ diesmal ebenfalls  bescheiden, auch wenn noch immer fünf Nominierungen (u.a. für Hauptdarsteller Jonas Dassler und Nebendarstellerin Margarethe Tiesel) zusammenkamen.

Neben Dassler und Scheer komplettiert Rainer Bock („Atlas“) die Auswahl der Hauptdarsteller, Susanne Wolff misst sich bei den Hauptdarstellerinnen mit Aenne Schwarz („Alles ist gut“) und Luise Heyer („Das schönste Paar“), die für ihre Rolle als depressive Mutter in „Der Junge muss an die frische Luft“ auch in der Nebendarstellerinnen-Kategorie Chancen hat.

Die Kinderfilm-Konkurrenz besteht aus nur zwei Filmen: Dennis Gansels aufwändige Kinderbuch-Verfilmung „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ und Katja Benraths an Vorbildern wie „Pippi Langstrumpf“ geschulter Außenseiter-Jugendfilm „Rocca verändert die Welt“.

Unter der großen Zahl herausragender Dokumentarfilme wählte die Jury mit „Elternschule“, „Hi, AI“ und „Of Fathers and Sons“ Werke zu den gesellschaftlichen Reizthemen Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern, Künstliche Intelligenz und Islamismus aus.


Alle Nominierten im Überblick:


Bester Spielfilm

25 km/h

Gundermann

Der Junge muss an die frische Luft

Das schönste Mädchen der Welt

Styx

Transit


Bester Dokumentarfilm

Elternschule

Hi, AI

Of Fathers and Sons


Bester Kinderfilm

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Rocca verändert die Welt


Beste Regie

Andreas Dresen für „Gundermann“

Wolfgang Fischer für „Styx“

Caroline Link für „Der Junge muss an die frische Luft“


Bestes Drehbuch

David Nawrath, Paul Salisbury für „Atlas“

Laila Stieler für „Gundermann“

Ruth Toma für „Der Junge muss an die frische Luft“

Lars Kraume, Aron Lehmann, Judy Horney für „Das schönste Mädchen der Welt“


Beste weibliche Hauptrolle

Luise Heyer für „Das schönste Paar“

Aenne Schwarz für „Alles ist gut“

Susanne Wolff für „Styx“


Beste männliche Hauptrolle

Rainer Bock für „Atlas“

Jonas Dassler für „Der Goldene Handschuh“

Alexander Scheer für „Gundermann“


Beste weibliche Nebenrolle

Luise Heyer für „Der Junge muss an die frische Luft“

Margarethe Tiesel für „Der Goldene Handschuh“

Eva Weißenborn für „Gundermann“


Beste männliche Nebenrolle

Alexander Fehling für „Das Ende der Wahrheit“

Oliver Masucci für „Werk ohne Autor“

Martin Wuttke für „Glück ist was für Weicheier“


Beste Kamera / Bildgestaltung

Andreas Höfer für „Gundermann“

Judith Kaufmann für „Der Junge muss an die frische Luft“

Judith Kaufmann für „Nur eine Frau“

Benedict Neuenfels für „Styx“

Felix Leiberg für „Vom Lokführer, der die Liebe suchte“


Bester Schnitt

Jörg Hauschild für „Gundermann“

Anne Fabini für „Of Fathers and Sons“

Ana de Mier y Ortuño für „Das schönste Mädchen der Welt“

Monika Willi für „Styx“


Beste Tongestaltung

Roland Winke, Christian Bischoff, Chrissy Rebay für „Ballon“

Andreas Turnwald, Uwe Dresch, André Zimmermann, Tobias Fleig für „Styx“

Dominik Schleier, Christian Conrad, Martin Steyer für „Transit“


Beste Filmmusik

Ralf Wengenmayr, Marvin Miller für „Ballon“

Gerd Baumann für „Trautmann“

Hochzeitskapelle für „Wackersdorf“


Bestes Szenenbild

Tamo Kunz für „Der Goldene Handschuh“

Susanne Hopf für „Gundermann“

Matthias Müsse für „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“


Bestes Kostümbild

Katrin Aschendorf für „Der Goldene Handschuh“

Sabine Greunig für „Gundermann“

Anke Winckler für „Trautmann“


Bestes Maskenbild

Birger Laube, Heike Merker für „Eleanor & Colette“

Maike Heinlein, Daniel Schröder, Lisa Edelmann für „Der Goldene Handschuh“

Grit Kosse, Uta Spikermann für „Gundermann“


Ehrenpreis

Margarethe von Trotta


Besucherstärkster Film

Der Junge muss an die frische Luft


Foto: Deutsche Filmakademie

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