Delphine Seyrig - Schauspielerin und Feministin (arte)

Donnerstag, 04.04.2019

17.4., 21.55-00.35, arte

Diskussion

In den 1960er- und frühen 1970er-Jahren war die Schauspielerin Delphine Seyrig (1932-1990) eine der elegantesten Erscheinungen des französischen Kinos: Rätselhafte Unbekannte in Alain Resnais’ Letztes Jahr in Marienbad, Bürgerdame auf leichten amourösen Abwegen in François Truffauts Geraubte Küsse, gelassene Frau von Welt in Luis Buñuels Der diskrete Charme der Bourgeoisie. Auch als Reaktion auf dieses dominierende Rollenbild wandte sich Seyrig allerdings ab den 1970ern der Frauenbewegung zu, die sie als Befürworterin des Rechts auf Abtreibung ebenso unterstützte wie in der Zusammenarbeit mit feministischen Filmemacherinnen wie Chantal Akerman und Marguerite Duras und in selbstgedrehten subversiven Dokumentararbeiten mit der Videopionierin Carole Roussopoulos (1945-2009).

Vor allem letztere spielen einen bedeutenden Part in dem Dokumentarfilm „Nouvelle Vague & Feminismus: Delphine Seyrig und Carole Roussopoulos“ (23.25-00.35) von Roussopoulos’ Enkelin Callisto McNulty. Das aus Archivmaterial erstellte Werk zeichnet ein Doppelporträt der Künstlerinnen und Aktivistinnen, das auch zahlreiche aufschlussreiche zeitgenössische Interviews integriert – sowohl von UnterstützerInnen der Emanzipation wie auch von offen misogynen Gegnern. Pointiert wird dadurch die Entwicklung von Strategien der Frauenbewegung sichtbar, deren Ziele zum Teil noch immer nicht verwirklicht sind.

Zuvor zeigt arte Jacques Demys Märchenadaption Eselshaut“ (21.55-23.25), bei der Demy und sein kongenialer musikalischer Mitstreiter Michel Legrand die Vorlage von Charles Perrault in eine ironische Parabel auf patriarchale Zustände und weiblichen Widerstand verdichteten (mit herrlichen Kostümen und originellen Gesangsszenen). Delphine Seyrig übernimmt darin eine vielsagende Rolle als gute Fee, die eine Prinzessin (Catherine Deneuve) mittels eines Eselhautkostüms davor bewahrt, von ihrem eigenen Vater (Jean Marais) geehelicht zu werden. – Sehenswert ab 16.


Foto aus „Nouvelle Vague und Feminismus“: Les Films de la Butte

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