Filmingo: Eine neue Streamingplattform

Freitag, 05.04.2019

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Über www.filmingo.ch ist seit 29.3.2019 ein neues Schweizer VoD-Portal für Arthouse- und Independentkino online. Das Angebot ist zwar nicht komplett, aber zumindest teilweise auch in Deutschland nutzbar.


In der Kinobranche herrscht derzeit ein harscher Wind. Wer überleben will, darf keine Angst vor Veränderungen haben und muss erfinderisch sein. Seit ihrer Gründung 1988 von Entdeckerfreude und Pioniergeist geprägt, ist die Schweizer Kultur-Stiftung Trigon Film: Sie hat sich als auf das Filmschaffen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas spezialisierter Verleiher nicht nur einen guten Namen gemacht, sondern sich regelrecht als Qualitätsmarke etabliert. Das gelang unter anderem, weil Trigon früh schon ein eigenes DVD-Label gründete und seine Filme zudem seit bereits fünf (!) Jahren auf einer hauseigenen VoD-Plattform anbietet. Nun stellt Trigon ein nächstes Produkt vor: Filmingo, eine Streaming-Plattform, auf der Trigon zusätzlich zu den eigenen Filmen eine erlesene Auswahl weiterer Arthaus-Filme anbietet. Konkret findet man auf Filmingo derzeit nebst den Trigon-Filmen die „Kollektion Filmcoopi“ und die „Kollektion Looknow!“, die in ihrer Herkunft auf zwei weitere Schweizer Verleiher verweisen.

An den Start gegangen ist Filmingo am 29. März 2019 mit rund 300 Filmen aus aller Welt, das Angebot wird im Wochenrhythmus erweitert. Die Plattform ist kuratiert. Das heisst: Ihre Inhalte können nicht nur über Titel, Regie und Herkunftsland gesucht werden, sondern werden unter besonderen Kategorien als Samples nachgewiesen; dass sich hier nicht die üblichen Genre-Kategorien eingeschlichen haben, sondern Kategorien wie „Edgy“, „Kulinarisches Kino“, „Thema Familie“, „Bergwelten“ und „Menzels Komödien“ (worunter man die Komödien von Jiri Menzel findet) spricht für den wachen Geist und Ideenreichtum der Anbieter. Abgerundet wird der Auftritt durch Wochentipps des Publizisten und Trigon-Geschäftsführers Walter Ruggle. Tipp der Kalenderwoche 14/2019 ist zum Beispiel „The Angels' Share“ von Ken Loach (2012).

Filmingo ist in der Bedienung überaus benutzerfreundlich. Die Filme werden in Originalsprache mit Untertiteln angeboten. Die Video-Qualität ist, herkunftsbedingt, nicht ganz immer auf 1080p, aber auf einem nicht zu grossen Bildschirm sieht auch Andrei Tarkowskis „Der Spiegel“ von 1975 mit 720p noch durchaus passabel aus. Wünschenswert wären bei den Angaben zum Film zusätzlich Infos zu Dauer, Sprache, Untertiteln und Video-Qualität noch ein Hinweis zum Bildformat. Lobenswert ist die Angabe zur geografischen Verfügbarkeit der Filme; leider ist knapp die Hälfte der Filme außerhalb der Schweiz und Luxemburg nicht zugänglich. Angestrebt wird nach Angabe von Trigon zukünftig eine Freigabe im ganzen schweizerisch-deutsch-österreichischen Raum und in Luxemburg. Diesem Umstand Rechnung tragend, sind die Preise angepasst: man kann auf Filmingo einzelne Filme mieten oder ein Abo lösen. Nutzen lässt sich Filmingo auf Laptop/PC, iPhone/iPad, Android, TV/Beamer, AppleTV und Chromecast, womit die Plattform technisch auf dem derzeit aktuellsten Stand ist.

Fazit: auch wenn 300 Filme ein noch relativ bescheidenes Programm sind, garantiert Trigon-Film ein erlesenes Programm, das unter Arthouse- und Independent-Cinema-Liebhabern seine Freunde finden dürfte.

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