Im Interview: Julian Schnabel

Donnerstag, 18.04.2019

Zum Kinostart von „Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit“

Diskussion

Julian Schnabel ist selbst Künstler. Sein Film über Vincent Van Gogh ist weniger ein klassisches Biopic als vielmehr eine Erkundung des künstlerischen Schaffensprozesses des Maler-Genies. Im Gespräch grenzt er sich unter anderem gegen andere Filme über Van Gogh ab und spricht über die Vorzüge der Zusammenarbeit mit seinem Hauptdarsteller Willem Dafoe.


Haben Sie sich lange mit dem Gedanken getragen, einen Film über Vincent van Gogh zu drehen?

Julian Schnabel: Eigentlich nicht so lange, um ehrlich zu sein. Ich habe natürlich mein ganzes Leben lang von Vincent van Gogh gewusst – wie wir alle. Aber ich habe mich erst vor einigen Jahren entschieden, einen Film über ihn zu machen. Erst wollte ich es nicht tun, weil es ja schon so viele Filme über ihn gibt. Warum sollte überhaupt noch jemand einen Film über ihn drehen? Jeder glaubt, alles über Vincent van Gogh zu wissen. Das ist aber unmöglich. Robert Bresson hatte schon gesagt, dass es eigentlich unmöglich sei, „Tagebuch eines Landpfarrers“ zu verfilmen. Wenn er das schon sagt, ist es vielleicht ein guter Grund, es trotzdem zu versuchen. Jean-Claude Carrière, der Drehbuchautor, dachte genauso. Van Gogh ist der wohl am besten dokumentierte Künstler der Welt. Wie geht man mit dieser Tatsache um? Soll man sich alles ausdenken, als sei es eine Fiktion? 1955 berief sich Francis Bacon auf ein Zitat von ihm: „Wie erreicht man eine Normalität und Akkuratesse, bis man die Realität aufdeckt? Oder nur Lügen dabei herauskommen? Aber vielleicht sind die Lügen wahrer als die nackte Tatsache.“


Julian Schnabel am Set von "Van Gogh"
Julian Schnabel am Set von "Van Gogh"

Was ist für Sie das Besondere an Van Gogh?

Schnabel: Wenn man an seine Bilder denkt, fällt einem sofort auf, dass er sich mit gemalter Realität beschäftigt. Er erfindet Realität neu und schafft so eine Version von Realität, eine Repräsentation von Realität. Alles, was sich darin befindet, ist für ihn besonders. So sind wir auch den Film angegangen. Es ist ein Kunstwerk, keine Dokumentation. Und auch keine forensische Biographie. Es ist eine Auswahl von Dingen, die möglich sein könnten. Wenn Sie Ihren Unglauben für einen Moment beiseite lassen, dann können Sie sich hineinfallen lassen. Es ist wie im Film: Jeder sieht eine andere Landschaft. Für die eine Person mag es etwas Wundervolles sein, ein Schatz sogar, während jemand anderer damit Probleme hat. Ich darf mir darüber aber keine Sorgen machen. Ich kann nur den Film drehen.

Willem Dafoe als "Van Gogh"
Willem Dafoe

Ist das der Grund, warum Sie dieses Ende gefunden haben?

Schnabel: Es gibt einige Menschen, die daran glauben, dass Van Gogh von zwei Jungen erschossen wurde. Aus meiner persönlichen Erfahrung mit seiner Arbeit und als jemand, der alle möglichen Informatio

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