Zum Tode von Jean-Pierre Marielle

Donnerstag, 25.04.2019

Ein Nachruf auf den französischen Schauspieler (12.4.1932-24.4.2019)

Diskussion

Die siebente Saite (1991), das subtile Barockmusik(er)-Drama des Franzosen Alain Corneau, erzählt von einem Aussteiger: Der Musiker Sainte-Colombe hat der höfischen Welt des Scheins den Rücken gekehrt, lehnt selbst die Anfragen des Sonnenkönigs ab und legt auch keinen Wert auf Schüler. Seine Tage verbringt er eingeschlossen in der Trauer um seine früh verstorbene Frau, deren Erscheinung er mit seiner Musik noch immer heraufbeschwören kann, und in der strengen Sorge für seine Töchter. Sainte-Colombe kann aufbrausend und handgreiflich werden, doch noch stärker prägen sich die Momente der Verlorenheit und des kaum zu ertragenden Schmerzes ein, die Corneau diesem historischen Charakter gönnt: Augenblicke, in denen Sainte-Colombe in eine zärtliche Zwiesprache mit seiner toten Frau gerät, ohne seine Gefühle in Worte fassen zu können, und in denen der Schauspieler Jean-Pierre Marielle mit seinen dunklen Augen in eine unendliche Ferne und zugleich tief in sich hineinzuschauen scheint, als würde Sainte-Colombe die Trennung von der Verstorbenen mit jeder Sekunde mehr zerreißen.

Es war dieser mimische Nuancenreichtum, verbunden mit einer ausdrucksstarken Stimme und der Aura eines distinguierten Großbürgers, die den 1932 geborenen Jean-Pierre Marielle in seinen Rollen auszeichneten. Der Gegensatz zwischen Lau

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