Die guten Feinde (hr)

Dienstag, 07.05.2019

6.5., 23.30-01.05, hr Fernsehen

Diskussion

In dem Dokumentarfilm „Die guten Feinde“ erzählt Christian Weisenborn die dramatische Lebensgeschichte seines Vaters, der für die 1968er-Generation zum Vorbild wurde. Der Schriftsteller und APO-Held Günther Weisenborn (1902-1969) wurde 1942 als Mitglieder des von der Gestapo „Rote Kapelle“ getauften Widerstandskreise verhaftet und entging zusammen Adolf Grimme nur knapp der Hinrichtung, während seine Gefährten ermordet wurden. Entgegen der Nazi-Propaganda war die „Rote Kapelle“ weder kommunistisch gelenkt noch stand das Netzwerk unter einer gemeinsamen Leitung. Bis heute sind etwa 400 Mitglieder namentlich bekannt, die heimlich Flugblätter druckten, Juden und Oppositionellen halfen und die Verbrechen des NS-Regimes dokumentierten.

Günther Weisenborns Versuche, die ermordeten Gefährten nach dem Krieg juristisch zu rehabilitieren und den NS-Richter Manfred Roeder zur Rechenschaft zu ziehen, hatte im restaurativen Klima der Nachkriegsjahre keine Chance. Er setzte die von Ricarda Huch initiierte Sammlung von Biografien hingerichteter Widerstandskämpfer fort und gab 1953 sie unter dem Titel „Der lautlose Aufstand“ heraus. Erst 2009 wurden die Urteile gegen die Gruppe aufgehoben; 2016 dokumentierte eine Historikerkommission die gezielte Verleumdung der „Roten Kapelle“ durch den deutschen Geheimdienst.

Der Sohn rekonstruiert durch Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Fotos und privates Filmmaterial das Bild seines Vaters wie das des Netzwerkes, in der Menschen aus sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen im Widerstand gegen Hitler und die Nazis zusammenfanden. Weisenborn verwendet auch viel Aufmerksamkeit auf die Darstellung der Perspektive der Frauen innerhalb der Widerstandsgruppe und erinnert daran, dass die Geschichte des Widerstands bislang noch immer fälschlicherweise als eine von Männern erzählt wird.


Foto: ARD/Salzgeber

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