Messer im Kopf (3sat)

Dienstag, 07.05.2019

17.5., 22.25-00.15, 3sat

Diskussion

Das Drama „Messer im Kopf“ von Reinhard Hauff aus dem Jahr 1978 ist stark von den Ereignissen des „Deutschen Herbsts“ rund um den RAF-Terror und die staatlichen Gegenmaßnahmen geprägt. Bei einer Razzia eines Jugendzentrums durch die Polizei wird ein Mann (Bruno Ganz) angeschossen und fällt ins Koma. Als er einige Zeit später wieder erwacht, hat er das Gedächtnis und die Sprache verloren.

Während in der Öffentlichkeit ein Hauen und Stechen beginnt, bei dem Polizei und Medien den Biogenetiker als gefährlichen Terroristen darstellen, instrumentalisiert ihn die linke Opposition als Opfer staatlicher Gewalt. Alle zerren an dem verletzten Mann, der selbst nichts anderes anstrebt, als seine Erinnerung wiederzuerlangen; ihn beschäftigt primär der Umstand, dass er sein Ich verloren hat, was ihn auf eine Suche nach seiner früheren Existenz führt, aber auch erkennen lässt, welche Möglichkeiten sich ihm jetzt bieten, unter Umständen ein ganz anderer zu werden.

„Das Erstaunlichste an Hauffs Film sind die fast schon lässige Schlüssigkeit und der lakonische, mit sehr viel Humor getränkte Sarkasmus, mit denen er diese Erkenntnis illustriert. Dort, wo Hauff früher leicht ins Thesenhafte abglitt, hat ihn das subtile Drehbuch von Peter Schneider aufgefangen. Wie zudem Bruno Ganz diesen Hoffmann spielt, ist eine einzigartige Leistung. Die äußerst schwierig darstellbare Entwicklung vom lallenden, an allen möglichen Schläuchen hängenden Krüppel zum kauzigen, an der Unmöglichkeit, ein normales Leben zu führen, verzweifelnden Menschen gelingt Ganz restlos überzeugend. Er hat ein kongeniales Gespür für die stotternde Logik der Schneider’schen Texte und setzt auch dank Hauffs kluger Regie statt Pathos einen Trotz ein, der Larmoyanz nicht aufkommen lässt.“

Auf der Suche nach der Wahrheit über den Vorfall findet er in der Begegnung mit einem beteiligten Polizisten die Erklärung, dass allein Angst die Ursache seines übereilten Handelns war. Schauspielerisch überzeugender, dramaturgisch gelegentlich holpriger Versuch, an einem fiktiven Einzelschicksal die Fragwürdigkeit neuer Polizeibestimmungen darzustellen.


Foto: 3sat

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