Serie: Call My Agent - Staffel 3

Dienstag, 14.05.2019

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Die neue Staffel der französischen Serie um Wohl und Wehe einer Pariser Künstleragentur, die allerlei Filmgrößen betreut, taucht einmal mehr genüsslich in den ganz normalen Wahnsinn des Showbiz-Alltags ein und punktet mit Gastauftritten u.a. von Jean Dujardin und Isabelle Huppert.


Was, kein Foto von Isabelle Huppert an der Wand??? Die Star-Schauspielerin nimmt es in Folge 4 der neuen Serienstaffel mit gelindem Missfallen zur Kenntnis, dass im Büro ihres Agenten Gabriel (Grégory Montel) Schnappschüsse von diversen Showbiz-Größen hängen, mit denen Gabriel schon zusammen gearbeitet hat, aber kein Bild von ihr – wofür sie am Ende der Episode selbst Abhilfe schafft, indem sie Gabriel ein glamouröses Porträt schenkt. Ein bisschen wie mit Gabriels Büro ist es offensichtlich auch mit der Serie „Call My Agent“: Frankreichs Stars scheinen sich um einen Platz darin geradezu zu reißen. Nachdem in den ersten beiden Staffeln u.a. Cécile de France, Fabrice Luchini, Isabelle Adjani und Juliette Binoche sich selbst und genüsslich mit ihren Images spielten, geben sich nun in Staffel 3 neben „la Huppert“ u.a. Jean Dujardin, Monica Bellucci und Béatrice Dalle die Ehre.

Eine Nacktszene und „ein waschechter Daniel Day-Lewis“ sorgen für Konflikte

Kein Wunder: „Call My Agent“ punktet auch in der neuen Serienstaffel mit Drehbüchern, die den ganz normalen Wahnsinn des Schauspielerstar-Daseins, gesehen aus der Perspektive der Mitarbeiter der fiktiven Schauspielagentur ASK, ebenso pointiert-witzig wie einfühlsam ins Rampenlicht stellen. Dabei geht es diesmal u.a. um einen „waschechten Daniel-Day-Lewis“, will sagen: um die Schwierigkeit, sich als Schauspieler von einer Rolle wieder zu distanzieren, nachdem man Wochen damit verbracht hat, sich in sie hinein zu fühlen und sie sich förmlich einzuverleiben – wie es der Legende nach auf extreme Weise „Method Actor“ Daniel Day Lewis mit seinem Part in „Der letzte Mohikaner“ ergangen sein soll. In der ersten Episode von Staffel 3 ist es Jean Dujardin, der aus einem Filmprojekt schier nicht mehr herausfindet, wobei es sich ausgerechnet um die Rolle eines Deserteurs im Ersten Weltkrieg handelt, der sich in die Wälder zurückzieht und dort das „Going Native“ zelebriert. Dujardin wieder mental fit zu machen für seine gänzlich anders gelagerte nächste Rolle (ausgerechnet als Banker), kostet seine Agentin Andrea (Camille Cottin), die auch noch hochschwanger ist, einige Nerven.

Weitere Folgen kreisen u.a. um Monica Bellucci, die sich einsam fühlt und mit ihrem Image als Über-Frau hadert, das ihr den Umgang mit den „ganz normalen Menschen“, den sie sich wünscht, erschwert; oder um Beatrice Dalle, die es auf eine heftige Konfrontation mit einem Regisseur ankommen lässt, als sie sich rigoros weigert, sich in einer Szene nackt zeigen zu lassen. Isabelle Huppert schließlich hält in der turbulentesten Episode der neuen Staffel gleich ein ganzes Team der Agentur ASK damit in Atem, ihre wahnwitzigen Drehpläne zu koordinieren, weil sie sich „mit der Ausdauer eines nepalesischen Sherpas“ zig Schauspiel-Jobs auf einmal aufhalst und damit auch, sehr zum Leidwesen der Agenten, gegen die ein oder andere Vertragsbedingung verstößt.

Ein geschickt geschlungener Soap-Opera-Knoten

Letztes wird zum wichtigen Teil des Suspense-Plots rund ums Wohl und Wehe der Agentur ASK, mit dem die Showrunner die Serienstaffel dramaturgisch zusammenhalten. Denn wie es nach dem Wechsel in der Geschäftsführung in Staffel 2 nun mit dem ASK-Team weitergeht, wie sich die Kräfteverhältnisse zwischen dem neuen Chef Hisham (Assaad Bouab) und den Agenten Mathias (Thibault de Montalembert), Andrea (Camille Cottin), Gabriel (Grégory Montel) und Arlette (Liliane Rovère) austarieren werden, ist ungewiss und führt zu allerlei Konflikten und gewagten strategischen Manövern. Der Glamour rund um die prominenten Gaststars wird dabei einmal mehr geerdet durch die persönlichen und beruflichen Beziehungen zwischen den allesamt vortrefflich als markante Charaktere gezeichneten Mitarbeitern der Promi-Agentur – ein Soap-Opera-Knoten an zwischenmenschlichen Verwicklungen, den die Drehbuchautoren über die sechs Folgen hinweg elegant zuziehen, bis hin zum großen Staffelfinale rund um die Feierlichkeiten angesichts des 30-jährigen Bestehens der Agentur, bei der die Karten neu gemischt werden. Eine Steilvorlage für eine neue Staffel, die hoffentlich schon deswegen kommen wird, weil ja noch viele französische Stars übrig sind, denen ein Platz in dem Serien-Highlight zusteht.

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