Ein Exilant auf Glückssuche (arte)

Donnerstag, 16.05.2019

27.5., 23.35-01.10, arte (ERSTAUSSTRAHLUNG)

Diskussion

Anfang der 1980er-Jahre kam Marcelo Novais Teles als 20-Jähriger nach Frankreich, wo er an sich nur drei Monate bleiben und dann nach einer noch einmal drei Monate dauernden Europareise in seine brasilianische Heimat zurückkehren wollte. Land und Leute fesselten ihn allerdings dauerhaft, so dass er mit wenigen Unterbrechungen bis heute in Frankreich lebt. Von Beginn an künstlerisch interessiert, spielte Novais Teles Theater und fand Anschluss ans Milieu von Film und Fernsehen: 1985 bewarb er sich erfolglos an der französischen Filmhochschule IDHEC, ebenso wie der spätere Schauspielstar und Regisseur Mathieu Amalric, mit dem Novais Teles seitdem befreundet ist und dem er u.a. bei Tournée als Co-Drehbuchautor zur Seite stand. Bereits in den 1980er-Jahren begann der Brasilianer auch damit, mit einer Kamera seinen Alltag und seinen Freundeskreis zu filmen.

Aus diesen amateurhaften „Home-Movies“ entstand 2017 der Film „Ein Exilant auf Glückssuche“. Als Videotagebuch enthält es viele private Momente aus dem Leben von Marcelo Novais Teles, die selbst in ihren an sich banalen Elementen spannend bleiben, weil sie ihn stets in Bezug zum Aufstieg seiner erfolgreicheren Freunde wie Amalric, der Schauspielerin Jeanne Balibar und des Regisseurs und Produzenten Olivier Broche setzen. Novais Teles strauchelt dagegen immer wieder, muss sich mit Gelegenheitsjobs über die Runden bringen und erfährt, wie prekär sein Status als Migrant ist. Die Exilerfahrung wird dabei durch seinen Kommentar hervorgehoben und zur umfassenden Metapher ausgebaut: Für die berufliche Unsicherheit, für seine private Unrast, das Unwissen, ob er womöglich Vater einer ihm unbekannten Tochter ist, und für die Furcht, sang- und klanglos von der Erde zu verschwinden. Die melancholische Selbstreflexion weitet sich so zur philosophischen und profunden Auseinandersetzung mit einem menschlichen Dasein, in dem die kulturellen Wurzeln gekappt worden sind. – Ab 14.


Foto: s Film

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