Durak - Der ehrliche Idiot (arte)

Freitag, 17.05.2019

29.5., 23.45-01.40, arte (ERSTAUSSTRAHLUNG)

Diskussion

Der Protagonist des Films von Juri Bykow ist ein „Idiot“ im Dostojewskischen Sinne: Der junge Klempner Dima (Artem Bystrow) sagt die Wahrheit, ohne sich um die Konsequenzen zu sorgen. Als er bei der Untersuchung eines baufälligen Sozialbaus auf Risse stößt, ist er sich schnell bewusst, dass das Gebäude in kurzer Zeit einstürzen wird. Im Bewusstsein der drängenden Lage sucht er die Bürgermeisterin (Natalia Surkowa) des tristen, gerade einmal 40 Jahre alten Planorts auf, um sie von der sofortigen Evakuierung zu überzeugen. Die Stadtoberste und weitere Honoratioren, darunter Dimas Chef, sehen allerdings keinen Anlass, sofort zu handeln, zumal sie alle nicht unschuldig an dem erbärmlichen Zustand der Sozialbauten sind und das Schicksal der bedrohten 800 Bewohner ihnen kaum nahegeht.

In schonungsloser Härte stellt der kraftvoll inszenierte Film die verinnerlichte Korruption der russischen Kleinstädte dar, in der ein entschlossener und selbstloser Einsatz eines Einzelnen für das Leben anderer für eine Schwäche oder gar ein Verbrechen gegen die geltenden Regeln erachtet wird. Mit beeindruckenden düsteren Bildern und einem hervorragenden Hauptdarsteller zeichnet der Film das Bild eines Menschen, der gegen alle Widerstände an seinen Überzeugungen festhält, und stellt eine unmissverständliche moralische Anklage dar, bei der die Figuren aber durchaus mit Zwischentönen gezeichnet sind. Für diese „kraftvolle und inspirierende Geschichte“ gewann „Durak – Der ehrliche Idiot“ 2014 beim Filmfestival Locarno den Preis der Ökumenischen Jury, neben der Auszeichnung für den besten Darsteller. – Ab 16.


Foto: Kinovista/Rock Films

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