Kirchen zeichnen "A Hidden Life" aus

Samstag, 25.05.2019

Die Ökumenische Jury zeichnet beim 72. Cannes Festival die deutsch-US-amerikanische Co-Produktion von Terrence Malick aus

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Der Film „A Hidden Life“ des US-amerikanischen Regisseurs Terrence Malick hat beim 72. Filmfestival in Cannes (14.-24.5.) den Preis der Ökumenischen Jury gewonnen. Das knapp dreistündige Drama rekapituliert das Schicksal des österreichischen Bauern Franz Jägerstätter (1907-1943), der aus christlicher Überzeugung die Teilnahme am Zweiten Weltkrieg verweigerte und am 9. August 1943 wegen „Wehrkraftzersetzung“ im Zuchthaus Brandenburg mit dem Fallbeil hingerichtet wurde.

Mit elegischer Meisterschaft entfaltet das bildgewaltige Epos Jägerstätters Leben von der Hochzeit mit Franziska Schwaninger bis zu seinem Tod. Der mehrheitlich mit deutschen Schauspielern besetzte Film ist in Englisch gedreht und nutzt exzessiv das Voice-Over, um Jägerstätters inneres Ringen, aber auch den intensiven Briefwechsel mit seiner Frau darzustellen; für Gespräche der Bevölkerung oder der Nazis werden hingegen deutsch-österreichische Dialekte verwendet.

Die Jury betonte in der Begründung, dass die „hohe Qualität des Films in Regie, Schnitt und Drehbuch“ eindringlich das „zutiefst menschliche Dilemma“ des frommen Katholiken Jägerstätters herausarbeite. Denn obwohl Jägerstätter sich über die Konsequenzen seines Tuns im Klaren ist und mit der Verantwortung für seine Frau und seiner Kinder ringt, kann er nicht anders, als dem inneren Ruf zu folgen, nicht an dem Krieg teilzunehmen. „A Hidden Life“, so die Jury, hebt deshalb auf die universale Bedeutung von Gewissensentscheidungen ab, die im Extremfall über alle konkreten irdischen Bedingungen hinausgehen.

Die von den kirchlichen Filmorganisationen SIGNIS und INTERFILM getragene Ökumenische Jury zeichnet seit 1974 beim Filmfestival in Cannes einen Film aus dem Wettbewerbsprogramm aus, der sich in besonderer Weise den christlich-spirituellen Dimensionen menschlicher Existenz verpflichtet weiß. Zu den bisherigen Preisträgern zählten unter anderen die Regisseure Xavier Dolan, Asghar Farhadi und Paolo Sorrentino.

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