Melancholische Melodien

Samstag, 08.06.2019

Die gut besuchte 19. Ausgabe des „Nippon Connection“-Festivals in Frankfurt belegte einmal mehr, wie sehr das japanische Kino Zuspruch erfährt

Diskussion

Bei der 19. Ausgabe des „Nippon Connection“-Filmfestivals in Frankfurt spielte die Musik als glühende Herzkammer wie auch als Filter, der die Monotonie des Alltags erträglich macht, eine auffallende Rolle. Das hatte wohl auch damit zu tun, dass viele Filme um private Dinge, Persönliches und Allerinnerstes, kreisten. Höhepunkte des gut besuchten Festivals waren allerdings feingesponnene Animes.

„Alle Kunst strebt den Zustand der Musik an“, notierte der englische Essayist Walter Pater einmal. Die 19. Ausgabe des japanischen Filmfestivals „Nippon Connection“ (28. Mai-2. Juni) in Frankfurt hätte einen sechstägigen Beweis dieser These antreten können. In allen Dingen schlief ein Lied, jede Bewegung ward Rhythmus – oder wollte Rhythmus werden, und konnte nicht, ein tragischer Zustand. Auf Filmfestivals formt sich nach vielen Stunden vor der Leinwand nach und nacheine Geschichte, die die Filmegemeinsam erzählen. Wo aber ausschließlich Produktionen aus einer einzigen Nation gezeigt werden, glaubt man ein Land sprechen zu hören. Wie sieht Japan im Kino aus, wie zeigt sich das Inselreich? Was geschieht im japanischen Kino? Gerade jetzt, im Übergang von der Heisei- in die Reiwa-Zeit, wo sich gleichzeitig alles und nichts verändert?

Das offenkundigste Thema, das viele Filme der „19. Nippon Connection verband, war eine besondere Musikalität. Schon der Eröffnungsfilm „Marriage Hunting Beauty“ von Akiko Oku verzehrt sich in jeder Einstellung danach, ein Musical zu werden. Die Tragikomödie, die von einer gerade noch jungen Frau auf der Suche nach Ehemann und Lebensinhalt erzählt, wird ganz vom Sounddesign beherrscht. Dissonanzen beschreiben eine verworrene Gefühlswelt, unsympathische Heiratsanwärter werden mit Geräuschen wie einem lauten Froschquaken aus dem Off kommentiert. Unter den Bildern liegt eine Gegenwelt aus Geräuschen und sanften Melodien, die sich erst in der allerletzten Szene wirklich Bahn brechen kann. Musik als Stimme des Herzens, aber auch als Filter, durch den die Monotonie des Alltags erträglich wird.


Bässe lassen den Boden vibrieren

Das war auch in den Beiträgen des „async International Short Film“-Wettbewerbs zu sehen, der zehn Kurzfilme zu Stücken des Starkomponist Ryuichi Sakamoto präsentierte. Oder in Musikvideos wie „We are lumpen“ von Mikio Saito oder einem Stück von Tetsuya Nagato zum Song „Paparazzi“ der Band „Radwimps“, die in der Reihe „Nippon Connectio

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