Fritz-Gerlich-Preis 2019: Die Nominierten

Donnerstag, 27.06.2019

Drei Filme konkurrieren um den Filmpreis, der im Rahmen des Filmfest München vergeben wird

Diskussion

Im Rahmen des Filmfests München 2019 wird am Montag, 1. Juli, der „Fritz Gerlich Preis“ verliehen. Der mit 10.000 Euro dotierte Filmpreis würdigt einen zeitgenössische Spiel- und Dokumentarfilm aus dem aktuellen Programm des Filmfest, in dem es um Zivilcourage, Menschenrechte und den Kampf um Gerechtigkeit und Toleranz geht. Der Journalist Fritz Gerlich hat aus christlicher Überzeugung schon früh die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten angeprangert und wurde als einer der ersten Angehörigen des religiös geprägten Widerstands am 30. Juni 1934 im KZ Dachau ermordet.


Für den Fritz-Gerlich-Preis 2019 sind in diesem Jahr drei Filme nominiert:


"What You Gonna Do When The World's On Fire" von Roberto Minervini
"What You Gonna Do When The World's On Fire" von Roberto Minervini


What You Gonna Do When The World’s On Fire von Roberto Minervini (Frankreich/Italien/USA 2018)

Ursprünglich sollte „What You Gonna Do When The World’s On Fire“ ein Dokumentarfilm über die Musik der 1930er-Jahre in Louisiana werden. Doch als der Regisseur Roberto Minervini erfuhr, wie häufig junge Afroamerikaner von Polizisten und dem Ku Klux Klan getötet wurden, orientierte er sich um und richtete den in Schwarz-Weiß gedrehten Film auf die Menschen aus. Etwa auf Mitglieder der neuen „Black Panther“-Partei in New Orleans, die Menschen für Protestaktionen zu mobilisieren versucht. Oder die Barbesitzerin Judy Hill, die durch ihre Erlebnisse feinfühlig geworden ist. Der 14-jährige Ronaldo versucht seinen jüngeren Bruder Titus auf das Leben vorzubereiten – inklusive Boxunterricht und der Frage, was es bedeutet, schwarz zu sein. Gemeinsam verdeutlichen die Protagonisten, welchen Preis die afroamerikanische Gemeinschaft in den USA täglich bezahlen muss und welch weiter Weg zur Gleichberechtigung noch vor ihnen liegt.


"Sterne über uns" von Christiane Eberl
"Sterne über uns" von Christina Ebelt


Sterne über uns“ von Christina Ebelt (Deutschland 2018)

Eine alleinerziehende Mutter wird obdachlos und zieht mit ihrem neunjährigen Sohn Ben in den Wald. Hier improvisieren sie ein notdürftig eingerichtetes Lager. Das Waldleben ist nur eine Notlösung, bis sie wieder eine Wohnung gefunden haben. In wenigen Tagen will die Frau eine neue Stelle als Flugbegleiterin antreten. Im Gegensatz zu ihr findet der Sohn das Waldleben aber aufregend. Die extremen Bedingungen zwingen beide noch enger zusammen, weil niemand von ihrer Obdachlosigkeit erfahren soll. Mit enormer Kraft strengt die Mutter sich an, um einen Weg aus ihrer Misere zu finden. Doch als die Wohnungssuche so aussichtslos wie demütigend wird und ihr überdies das Jugendamt im Nacken sitzt, sieht sie sich zum Wohle ihres Kindes zu einer schwerwiegenden Entscheidung gezwungen.


"The Day I Lost My Shadow" von Soudade Kaadan
"The Day I Lost My Shadow" von Soudade Kaadan

The Day I Lost My Shadow von Soudade Kaadan (Frankreich/Katar/Libanon/Syrien 2018)

Der Film erzählt von einer jungen Frau, die ihrem Kind eine warme Mahlzeit zubereiten möchte. Doch im Winter 2012, als auch in Syrien der „Arabische Frühling“ ausbricht, ist die Versorgung mit Wasser, Gas und Elektrizität zusammengebrochen. Auf der Suche nach einem Gaszylinder wagt die Frau sich in eines der vom Krieg betroffenen Gebiete vor. Sie begegnet dabei zwar Menschen mit großer Hilfsbereitschaft, realisiert aber auch, was dieser Konflikt wirklich bedeutet. „The Day I Lost My Shadow“ ist das Spielfilmdebüt der Regisseurin Soudade Kaadan, die zuvor als Dokumentarfilmerin arbeitete, was deutlich spürbar ist. Mit „The Day I Lost My Shadow“ realisierte sie einen der wenigen Spielfilme aus dem krisengebeutelten Land. Der Film zeigt, was mit Menschen passiert, deren Lebensumstände keine Gedanken an den nächsten Tag oder die nächste Woche zulassen. Dabei greift die Regisseurin auch zu den Stilmitteln des magischen Realismus. Interessant ist auch, dass ihre Figuren vor allem Frauen sind, die der Krieg dazu zwingt, sich zu verändern.



Hinweise

Weitere Informationen über den von der Tellux-Gruppe gestifteten Filmpreis finden sich auf der Website fritz-gerlich-filmpreis.de

Informationen zum Filmfest München: www.filmfest-muenchen.de

Kommentar verfassen

Kommentieren