Spielen Sie Gott, Mr. Feinberg?

Freitag, 05.07.2019

Dokumentarfilm über den US-Anwalt Ken Feinberg

Diskussion

Wie verbringt ein Mann seine Abende, der tagsüber darüber entscheidet, ob Opfer und Hinterbliebene des Terroranschlags von 9/11, der Ölpest um die Bohrinsel Deepwater Horizon oder des noch immer das Erbgut verändernden Entlaubungsmittels Agent Orange ihre existenzielle Belastung dank einer Geldspritze besser ertragen können? Ken Feinberg, Staranwalt und Entschädigungsspezialist für Massenunglück, schaut in dem abgedunkelten Wohnzimmer fern. Mit ausgeschaltetem Ton. Stattdessen ist klassische Musik von Mahler, Brahms oder Wagner zu hören. Schon die Eingangssequenz lässt keinen Zweifel daran, dass der Porträtierte über ein solides Nervenkostüm verfügt.

Der Film von Karin Jurschick porträtiert den 73-Jährigen, der sich in spektakulären Rechtsfällen einen Namen gemacht hat. Seit 30 Jahren verhandelt er für Opfer von Katastrophen Schadensersatzforderungen, ist aber auch für Konzerne und die US-Regierung tätig. Der umsichtige, sorgfältig recherchierte Film durchleuchtet Feinbergs ambivalentes Wirken in all seinen Facetten und geht dabei auch der Frage nach, mit der Feinberg immer wieder zu tun hat, nämlich wie viel ein Menschenleben vor Gericht wert ist. Dabei deckt er nicht nur systematische Ungleichheiten auf, sondern schärft auch den Blick für die bitteren Feinheiten des westlichen Rechtssystems. Ob nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York oder der BP-Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko: Feinberg entscheidet darüber, was ein Menschenleben wert ist. Er hält sich an feste Kriterien. Dabei spielt eine wesentliche Rolle, wie hoch der wirtschaftliche Schaden ist, der durch den Tod eines Menschen entstand.

Hier geht es zum Film in der arte Mediathek



Foto: © SWR/Bildersturm Film

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