Harte Filme, bewegte Zeiten

Freitag, 12.07.2019

Die FSK wird 70. Eine Würdigung im Angesicht eines rasanten Medienwandels

Diskussion

Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) feiert 2019 ihr 70-jähriges Bestehen. Und steht einmal mehr vor enormen Herausforderungen. Die grenzenlose Verfügbarkeit von Filmen im Internet ist mit dem Gedanken des Jugendschutzes kaum zu vereinbaren. Aber die FSK hat schon manche unlösbare Aufgabe gemeistert.


Eigentlich sollte die FSK die Militärzensur ersetzen. 1945, als Deutschland nach dem verlorenen Krieg in Trümmern lag, war das Kino eines der wenigen Vergnügen. Wo immer man einen Projektor aufstellen konnte, flimmerte es. Gespielt wurden allerdings nur Filme, die vorher die Militärzensur passiert hatten. Die Alliierten wollten verhindern, dass die Entnazifizierung und Demokratisierung der Deutschen durch nationalsozialistische Propagandafilme konterkariert wurden. Als am 18. Juli 1949 die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) ihre Arbeit aufnahm, war die Bundesrepublik Deutschland schon souverän und die Militärzensur damit abgeschafft. Die Filmwirtschaft befürchtete allerdings, dass es bald Jugendschutzgesetze mit staatlichen Regulierungsbehörden geben könnte, und so widmete sich die FSK fortan der Filmprüfung nach Jugendschutz-Gesichtspunkten. Die Filmverleiher verpflichteten sich, ihre Filme bei der FSK vorzulegen, die Kinobetreiber sagten ihrerseits zu, nur Personen Zutritt zu Filmen zu gestatten, die das Freigabealter erreicht hatten. So hoffte man, staatliche Eingriffe verhindern zu können.

Ein früher Zankapfel in Sachen Freigabe: "Die Sünderin" mit Hildegard Knef
Ein früher Zankapfel in Sachen Freigabe: "Die Sünderin" mit Hildegard Knef

Mit „Intimitäten“ fing es an. Der Film von Paul Martin erhielt eine Freigabe ab 16 Jahren. Doch schon bald kam es mit dem Film „Die Sünderin“ (Regie: Willi Forst) zum ersten Sündenfall der FSK. Wenige Tage vor dem Filmstart im Januar 1951 lehnte die FSK die Freigabe des Filmes zunächst auch für Erwachsene ab. Der Film verharmlose die Prostitution, rechtfertige das Töten auf Verlangen sowie die Selbsttötung, so die Begründung. Produzent und Verleihfirma setzten eine Krisensitzung durch. Am Ende wurde der Film mit einem Abstimmungsergebnis von 9:4 ab 18 Jahren freigegeben.

Boykott gegen „Die Sünderin“

Die Vertreter der Kirche verließen daraufhin aus Protest vorübergehend die FSK. Der Boykott hielt allerdings nicht lange. In einigen Städten kam es zu Tumulten; Menschen wurden mit Gewalt vom Kinobesuch abgehalten, Gegner warfen Stinkbomben in die Kinos, die Polizei reagierte mit Wasserwerfern. Im Februar 1951 rief der „Filmdienst“ alle Katholiken zum Boykott des Films auf. Die Deutsche Bischo

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