Köhlernächte

Samstag, 27.07.2019

Bildmächtige Doku über die Köhler im Entlebuch bei Luzern

Diskussion

In schweren Gummistiefeln steigt der Köhler Fränz Röösli auf den vier Meter hohen Meiler und sticht Löcher in den „Grind“, wie die Kuppel des Holzhaufens genannt wird. Weißer Rauch entweicht aus dem Inneren und verschwindet in der schwarzen Nacht über dem Luzerner Entlebuch.

Seit fast zwei Wochen wacht der Köhler Tag und Nacht über dem rauchenden Meiler, in dessen Innerem sich Holz zu Kohle verwandelt. Zwischendurch gönnt sich Röösli zwei Stunden Schlaf, bis er erneut mit seinen Stiefeln und der langen Eisenstange auf den Meiler steigen muss, um neue Löcher zu stechen und den daraus steigenden Rauch zu beobachten.

Der Filmemacher Robert Müller bleibt aber nicht nur bei Rösslie und seinem Meiler. Nur wenige Kilometer entfernt glimmen die von Willi Renggli oder des erst zwölfjährigen Lehrlings Lukas Thalmann. Insgesamt neun Köhler produzieren im Tal jährlich etwa 90 Tonnen Holzkohle, deren Verkauf für die Bergbauern seit Generationen von existenzieller Bedeutung ist.

In dem intimen, zuweilen höchst amüsanten Porträt der Köhlerei wird getrunken, geraucht und geflucht, doch untereinander gehen die Köhler respektvoll miteinander um, ebenso wie mit Feuer und Rauch oder der einheimischen Ressource Holz. Nächtelang stehen sie auf den rauchenden Holzkohlehaufen und führen eine ebenso archaisch wie meditative Tradition weiter. Die traditionelle Meilerköhlerei aus dem Entlebuch ist in Europa einzigartig.

Die rauchenden Meiler, die Arbeit mit dem Feuer, der Vorgang im Verborgenen, die alchemistisch anmutende Verwandlung von Holz zu Kohle – all dies strahlt bis heute etwas Magisches aus.

Hier geht es zum Film in der 3sat Mediathek



Foto: ZDF/SRF/Zeitraum

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