Weichen des Lebens

Donnerstag, 01.08.2019

Reizvoll erzähltes, dreiteiliges Melodram von Jia Zhang-ke

Diskussion

Momentaufnahmen aus dem Leben dreier Menschen in China, festgemacht an den Jahren 1999, 2014 und 2025: Am Ende des 20. Jahrhunderts wird die attraktive junge Shen Tao (Zhao Tao) von dem Grubenarbeiter Liangzi (Jing Dong Liang) sowie von dem angehenden Geschäftsmann Zhang (Zhang Yi) umworben; in jener Zeit wächst in China der Wunsch nach Wohlstand und einem westlich geprägten Lebensstil. 15 Jahre verdingt sich der Grubenarbeiter als Wanderarbeiter an verschiedenen Orten, der Geschäftsmann und die Frau haben geheiratet und sich wieder scheiden lassen. Ihr kleiner Sohn Dollar (!) ist mit dem Vater nach Australien gegangen und erweist sich im Jahr 2025 als Teenager, der seine Muttersprache und seine Heimat vergessen hat.

Der Regisseur Jia Zhang-Ke bleibt in dem 2015 in Cannes uraufgeführten Film seinem Thema der Wandel in der chinesischen Gesellschaft treu, auch wenn er im Vergleich zu A Touch of Sin (2013) und Asche ist reines Weiß (2018) den kapitalistischen Überlebenskampf eher als Erscheinung angreift, als von dessen gewaltsamen Folgen zu erzählen. Sein reizvolles Melodram kreist um die Suche nach Liebe und Lebenssinn in sich stark verändernden Zeiten, das sich vor allem im letzten Teil mitunter in plakativen Einfällen verliert, aber in einer bravourösen Schluss-Sequenz seine Stärken wiederfindet. – Ab 16.

Hier geht es zum Film in der arte Mediathek



Foto: MK2 Productions

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