Wir sind jung. Wir sind stark.

Montag, 12.08.2019

Ein Drama um die ausländerfeindlichen Pogrome in Rostock-Lichtenhagen im Sommer 1992

Diskussion

Rostock-Lichtenhagen, August 1992: Die „Wende-Euphorie“ war verflogen. Auf den rasanten gesellschaftlichen Wandel folgte die erste Katerstimmung, auf den Konsumrausch die Abwicklung der ehemaligen Staatsbetriebe und damit einhergehend steigende Arbeitslosenzahlen. Die Frustration entlud sich an jenen, die auf der sozialen Leiter noch weiter unten standen: den Asylbewerbern, die übergangsweise in der Zentralen Aufnahmestelle in Rostock-Lichtenhagen untergebracht waren. Fünf Tage lang kam es zu bürgerkriegsartigen Ausschreitungen mit Pogrom-Stimmung; in der Nacht zum 25. August 1992 eskalierte nach der Evakuierung der Aufnahmestelle die Situation, als ein angrenzendes Wohnheim mit vietnamesischen Arbeitern unter Beifall des schaulustigen Mobs in Brand gesetzt und dann gestürmt wurde. Die zum Schutz aufgebotenen Polizeikräfte waren zuvor abgezogen worden. Weil ein Fernsehteam im Wohnheim anwesend war, gingen die Bilder des Pogroms um die Welt. 

„Wir sind jung. Wir sind stark“ von Burhan Qurbani beleuchtet jene Tage, aufwändig recherchiert und verdichten sich als Abfolge kleiner Geschichten. Dabei werden nicht nur die Opfer und das politische Versagen, sondern auch die jugendlichen Brandstifter in Blick genommen, die mit rechter Gesinnung kokettieren, aber noch keine Nazis sind. Der differenzierende Rückblick wurde mit großem handwerklichem Geschick in Szene gesetzt, kreist um den Frust und die Orientierungslosigkeit der Nachwendezeit und wirkt gleichzeitig auch heute äußerst aktuell. - Sehenswert ab 14.

Hier geht es zum Film in der ZDF Mediathek



Foto: © ZDF/Yoshi Heimrath

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