„Systemsprenger“ ist deutscher „Oscar“-Anwärter

Donnerstag, 22.08.2019

Nora Fingscheidts kraftvoller Debütfilm um ein „Problemkind“, das wütend gegen alle Versuch staatlicher Fürsorge und Therapie rebelliert, geht für Deutschland ins Rennen um einen „Oscar“.

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Systemsprenger entwickelt Sog und Kraft, mit einer seltenen emotionalen Intensität. Nora Fingscheidt versammelt und inszeniert außerordentliche Talente, schafft Beklemmung, Nähe und Authentizität für eine Geschichte, die im Wechsel wütend, traurig und hoffnungsvoll stimmt. Der Film ist ein Erlebnis, das wir den Academy-Mitgliedern sehr gerne empfehlen.“ So begründete die Jury, die für die Nominierung des deutschen „Oscar“-Anwärters zuständig ist, ihre Wahl des mitreißenden Debütfilms von Nora Fingscheidt, der nun der Academy of Motion Picture Arts & Sciences für die Kategorie „International Feature Film“ vorgeschlagen wird (eine Neubenennung für das, was bislang als „Bester nicht-englischsprachiger Film“ firmierte). Damit setzte sich der Film, der im Februar bei der „Berlinale“ mit einem „Silbernen Bären“ (Alfred-Bauer-Preis) geehrt wurde, gegen sechs weitere Filme durch, die als deutsche „Oscar“-Anwärter ausgewählt worden waren.

„Systemsprenger“ erzählt von einer verhaltensauffälligen Neunjährigen (eine Naturgewalt: Helena Zengel), die so rabiat gegen alle Verhaltensnormen anrennt, dass ihre Mutter sich außerstande sieht, das Kind länger bei sich zu behalten; doch auch die staatlichen Betreuer stoßen immer wieder an ihre Grenzen.

Ob es der Film in die Vorauswahl der „Oscars“ schafft, wird im Dezember 2019 bekannt gegeben; die Nominierungen für die 92. „Oscar“-Verleihung werden im Januar verkündet; die Vergabe der „Oscars“ findet dann am 9. Februar 2020 statt. „Wir fühlen uns geehrt und sind dankbar, dass ‚Systemsprenger‘ als deutscher Beitrag ins ,Oscar‘-Rennen geht“, kommentierte Nora Fingscheidt die Entscheidung der Fachjury. „Nach dem ,Silbernen Bär‘ ist unser Film gerade auf einer weltweiten Festivalreise. Die überwältigenden Reaktionen des Publikums zeigen: Kino kann einen Dialog zwischen Kulturen herstellen, weil es ums Menschsein geht.“

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