#Venezia76: Die Preise

Samstag, 07.09.2019

Die Preise der 76. Filmfestspiele von Venedig: "Joker" von Todd Phillips gewinnt den "Goldenen Löwen"

Diskussion

Tagsüber demonstrierten am roten Teppich vorm Palazzo del Cinema die Klimaaktivisten; am Abend des 7. September wurde "Joker" von Todd Phillips mit dem "Goldenen Löwen" geehrt - ein Film, bei dem es ebenfalls um die Revolte gegen untragbare Zustände geht. Eine Übersicht über die Preise der 76. Internationalen Filmfestspiele von Venedig.


Die Erde brennt, verkündeten die Banner: Bevor am Abend des 7. Septembers im Palazzo del Cinema am Lido von Venedig bei der Abschlussgala die Preise der 76. Internationalen Filmfestspiele vergeben wurden, besetzten tagsüber Klimaschützer den roten Teppich, um medienwirksam gegen Umweltverschmutzung zu demonstrieren.

Kino schafft Öffentlichkeit, und dass es dabei nicht nur um Glamour und Unterhaltung gehen kann, finden wohl nicht nur die Aktivisten. Die Filmauswahl der „Mostra“ selbst kreiste immer wieder um  aktuelle gesellschaftliche „Brandherde“ oder solche, die von der Vergangenheit in die Gegenwart hinein reichen. 

Der Wettbewerb wartete mit einer ganzen Reihe herausragender Filme auf: Von Franco Marescos urkomischer und zugleich bitterer Satire „La mafia non è più quella di una volta“ um die anhaltende Verstrickung Siziliens mit der Cosa Nostra über Ciro Guerras konzentrierte, ebenso ruhige wie unerbittliche Romanadaption „Waiting for the Barbarians“ über die Mechanismen des Kolonialismus bis hin zu Steven Soderberghs Panama-Papers-Satire „The Laundromat“ über Geldwäsche, Steueroasen und die Missstände des internationalen Finanzmarkts. 

Das Rennen um den „Goldenen Löwen“ machte schließlich ein Film, in dem die Welt fürwahr brennt: „Joker“ von Todd Phillips liefert eine elektrisierende, beklemmend realitätsnahe Lesweise der DC-Comicfigur, indem sie deren „Origin Story“ rückkoppelt an eine Welt, in der die Schere zwischen Arm und Reich so weit auseinandergeklafft ist, dass der soziale Frieden förmlich implodiert und die Revolte zu toben beginnt. Ein würdiger Filmkunst-Ritterschlag für das ansonsten von der Kritik oft verachtete Mainstream-Genre der Comic-Adaptionen.

Die internationale Jury unter Regisseurin Lucrecia Martel, hatte je nach Sichtweise den Luxus oder die Last, unter einer ganzen Reihe preiswürdiger Kandidaten ihre Wahl treffen zu können: Mit „Marriage Story“ von Noah Baumbach und „J'accuse“ von Roman Polanski waren neben „Joker“ bereits in den ersten Tagen zwei weitere auf ihre je eigene Weise mustergültige Filme im Wettbewerb angetreten, denen man den Hauptpreis gegönnt hätte.

Dass die Jury nach den Debatten, die zum Festival-Auftakt um Roman Polanski tobten, den Nerv bewies, die künstlerische Qualität von „J'accuse“ doch mit einem „Silbernen Löwen“ zu honorieren und Vorbehalte gegen Polanskis Person hinten anzustellen, ist eine gute Entscheidung.

Schade dagegen, dass das furiose Debüt der Australierin Shannon Murphy, „Babyteeth“ von der internationalen Jury fast übergangen wurde; die „Coppa Volpi“ für die beste Schauspielerin wäre bei Shannons Hauptdarstellerin Eliza Scanlen auf jeden Fall besser aufgehoben gewesen als bei Ariane Ascaride in Robert Guediguians eher schwachem Ensemble-Film „Gloria mundi“. Schön, dass immerhin die SIGNIS-Jury den Film würdigte.


Hier die Übersicht über die Hauptpreise im Wettbewerb:


Goldener Löwe für den besten Film: „Joker“ von Todd Phillips

Silberner Löwe – Großer Preis der Jury: „J'accuse“ von Roman Polanski

Silberner Löwe – Preis für die beste Regie: Roy Andersson für „About Endlessness“

Coppa Volpi für die beste Schaupielerin: Ariane Ascaride für „Gloria Mundi“

Coppa Volpi für den besten Schauspieler: Luca Marinelli für „Eden“

Preis fürs beste Drehbuch: Yonfan für „Nr. 7 Cherry Lane“

Spezialpreis der Jury: „La mafia non è più quella di una volta“ von Franco Maresco


„Marcello Mastroianni“ Preis für ein Nachwuchs-Schauspieltalent: Toby Wallace in „Babyteeth“ von Shannon Murphy


FIPRESCI-Preis: „J'accuse“ (Regie: Roman Polanksi)


SIGNIS Preis (Preis der World Catholic Association for Communication): „Babyteeth“ von Shannon Murphy
Lobende Erwähnung: „Waiting for the Barbarians“ von Ciro Guerra


Sämtliche offiziellen Preise des Festivals finden Sie hier.


Die Preise der unabhängigen Jurys finden Sie hier.



Foto: aus "Joker", © Nico Tavernise

Kommentar verfassen

Kommentieren