Serie: Mindhunter - Staffel 2

Freitag, 13.09.2019

Diskussion

Die Situation für die FBI-Agenten Holden Ford (Jonathan Groff), Bill Tench (Holt McCallany) und die Psychologin Wendy Carr (Anna Torv) hat sich deutlich verbessert: Interessierte sich zu Beginn der ersten Staffel von „Mindhunter“ noch kaum einer für die Psychologie von Mördern, bekommen sie nun deutlich mehr Anerkennung für ihre Arbeit in der Verhaltensanalyseeinheit des FBI. Es ist das Jahr 1977, als sie damit anfangen, Interviews mit überführten Serienmördern zu führen, diese wissenschaftlich auszuwerten und so die Grundlagen für das zu legen, was als „Profiling“ mittlerweile selbstverständlicher Teil der kriminalistischen Arbeit ist. In Staffel 2, rund zwei Jahre nach Staffel 1 angesiedelt, erhalten sie dank eines Führungswechsels mehr Geld für ihre Arbeit: Mit weiteren Assistenten und weiteren Büroräumen sollen sie schneller Fortschritte machen.

Doch während sich die Bedingungen verbessern, hat vor allem Ford noch mit den Nachwirkungen aus der ersten Staffel zu kämpfen. Bei einem Treffen mit dem Serienmörder Edmund Kemper erlitt er eine Panikattacke, nach Aussage eines Arztes könnten diese wieder auftreten. Tench und Carr wollen ihren Kollegen daher nun verstärkt beobachten und auf ihn achten, auch weil seine zwar erfolgreichen, allerdings vom Protokoll abweichenden Fragemethoden die Abteilung nicht selten in Schwierigkeiten bringen.

Das Team führt zu Beginn der Staffel Interviews unter anderem mit dem als „Son of Sam“ bekanntgewordenen Serienmörder David Berkowitz, um ein Profil des BTK-Killers zu erstellen. Als Holden auf einer Dienstreise nach Atlanta reist, stößt er auf eine Mordserie: Mehrere schwarze Kinder sind entführt und getötet worden. Holden und Ford sollen schließlich die Ermittlungen unterstützen und wenden dabei auch Erkenntnisse ihrer Verhaltensforschung an.

Wandel der Ermittlungsmethoden

Basierend auf dem Buch „Die Seele des Mörders“ von John E. Douglas und Mark Olshaker, zwei FBI-Profilern, und erneut produziert und teilweise inszeniert von David Fincher, setzt die Serie die in der ersten Staffel gesetzten Themen konsequent fort. Kämpften Ford und Holden zuvor noch innerhalb ihrer Abteilung für ihre Methoden, steht ihr neuer Abteilungsleiter dank weiterer finanzieller Mittel nun bei seinem Chef in Washington unter Erfolgsdruck. Zudem stoßen die Ermittler mit ihren Ansätzen auf wenig Gegenliebe bei ihren Polizeikollegen in Atlanta. Der Wandel der Ermittlungsmethoden geht nur langsam voran, Politik spielt eine wichtige Rolle.

Ebenso behält „Mindhunter“ seine stilistischen und inhaltlichen Qualitäten bei. Die Dialoge sind fesselnd, das Drehbuch herausragend, die Rollen (der Protagonisten ebenso wie die der Serienmörder) perfekt besetzt. Die Inszenierung ist atmosphärisch; Grau- und Brauntöne bestimmen die Bilder. Es wirkt, als setze die Serie durchgehend nur auf natürliches, durch die Spielorte wie Büros oder Gefängnisse bestimmtes Licht – es bilden sich viele Schatten in den Gesichtern, die Verborgenes erahnen lassen.

Folgen eines schlimmen Verbrechens

Wurde bisher vor allem das Privatleben von Holden und dessen (gescheiterte) Beziehung beleuchtet, rücken nun Tench und Carr stärker in den Fokus. Die Psychologin lernt eine Barkeeperin kennen und geht eine Beziehung mit ihr ein. Die Familie des FBI-Agenten wird in ein schlimmes Verbrechen verwickelt, was Tench zusätzlich zeitlich und emotional viel abverlangt und Folgen für seine Arbeit hat. Trotz des Vorsatzes, nie die Arbeit mit nach Hause zu nehmen, zieht Tench unfreiwillig Parallelen von den Verhaltensweisen der Serienmörder zum privaten Fall.

Die Serie vermischt diese Ebenen geschickt. „Mindhunter“ setzt das Theoretische der kriminalistischen Methode im Praktischen um; das Profiling kommt langsam im Alltag an, die spannende Welt der bahnbrechenden kriminalistischen Methode öffnet sich weiter.

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