Heimat ist ein Raum aus Zeit

Mittwoch, 25.09.2019

Der Caligari-Preisträger 2019 läuft ab 26. September im Kino

Diskussion

Ab dem 26. September ist der „Caligari“-Preisträgerfilm Heimat ist ein Raum aus Zeitin den deutschen Kinos zu sehen (zur FILMDIENST-Kritik). Der Dokumentarfilmer Thomas Heise hat sich dafür seine eigene Familiengeschichte vorgenommen und mittels Briefen, Tagebucheinträgen, Fotografien und Landschaftsbildern aufgearbeitet. Mit den durchgehenden Themen Flucht und Verfolgung schlägt der Filmemacher einen Bogen durch das 20. Jahrhundert, festgemacht an den Lebenswegen und persönlichen Erfahrungen der Heises: Der Großvater Wilhelm Heise war den Nazis politisch suspekt und wurde kaltgestellt, die Großmutter war Jüdin und überlebte den Terror, beider Sohn Wolfgang war der wahrscheinlich bedeutendste Philosoph der DDR.

„Heimat ist ein Raum aus Zeit“ greift viele Motive aus dem Schaffen von Thomas Heise wieder auf: das Bewusstsein für Geschichte als Abfolge von Schichtungen, der kontrastfeste Ton, mit dem scheinbar disparate Elemente gegenseitig zum Klingen gebracht werden, die eigene biografische Geschichte und historische (Ver-)Läufe. Es wird viel nachgedacht in dem Film, viel zitiert, dazu gibt es lange Passagen mit Bildern von Zugfahrten und Straßenzügen, die nichts illustrieren, sondern ausschließlich Hallräume öffnen.


In der Begründung notierte die Jury: „Risse ziehen sich durch die Landschaften, welche die Kamera betrachtet. Risse ziehen sich durch die Biografien, die anhand von Fotografien und Schriftstücken erzählt werden. Historische Dokumente gewinnen Konturen und werden erlebbar. Geschichte wird hier zu einem Fluss durch ein ganzes Jahrhundert deutscher (Familien)Geschichte, die eine eindringliche Stimme erhält. Der Poesie aus Tagebüchern und Briefen fügt der Regisseur keinen weiteren Kommentar hinzu – er findet Bilder für sie. Aus dieser Fülle persönlicher Dokumente, wie es sie in Zukunft wohl nicht mehr geben wird, formt Thomas Heise einen eindrücklichen, klarsichtigen und wahrhaft großen Film.“

Der von den Kommunalen Kinos gemeinsam mit filmdienst.de, dem Portal für Kino und Filmkultur gestiftete Preis würdigt einen stilistisch wie thematisch innovativen Film aus dem Programm des „Internationalen Forum des Jungen Films“ und hebt damit die besondere Bedeutung dieser „Berlinale“-Sektion für die kulturelle Kinoarbeit hervor. Die Auszeichnung ist mit 4 000 Euro dotiert, wobei die Hälfte des Betrages der Preisträger erhält, während die andere Hälfte für Werbemaßnahmen verwendet wird, um die Kinoauswertung nach dem Festival deutschlandweit zu unterstützen.



Im Folgenden eine Liste der bisher bekannten Kinos und Termine:

Ab 26.9. fsk Kino, Berlin

Ab 26.9. KINO KROKODIL, Berlin (27.9., 19 Uhr, in Anwesenheit des Filmemachers)

Ab 26.9. Wolf Kino, Berlin (29.9., 16 Uhr, in Anwesenheit des Filmemachers und des Bildgestalters)

1.10. Deutsches Theater, Berlin (18 Uhr, in Anwesenheit des Filmemachers)

5.10. Akademie der Künste, Berlin (18.30 Uhr, in Anwesenheit des Filmemachers)

28.10. HELLERAU, Dresden (19 Uhr, in Anwesenheit des Filmemachers)

Ab 24.10. Abaton, Hamburg (27.10. in Anwesenheit des Filmemachers)

11.10. Kino im Sprengel, Hannover

3.10./13.10./27.10. Karlstorkino, Heidelberg

28.9./5.10./13.10. Kinostar Arthaus, Heilbronn

3.10. Die Pumpe, Kiel

29.9./3.10./6.10. Filmpalette, Köln

Ab 26.9. Cinémathèque Leipzig (2.10. in Anwesenheit des Filmemachers)

Ab 10.10. Filmhaus Nürnberg im KunstKulturQuartier

27.9. Thalia, Potsdam

4.10. Kommunales Kino mon ami, Weimar


Fotos: GMfilms

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