Lady Chatterley

Mittwoch, 02.10.2019

Eine Verfilmung von D.H. Lawrences „Lady Chatterley“-Stoff und eine Doku über den Skandal um die Veröffentlichung

Diskussion

Der 1928 veröffentlichte Roman „Lady Chatterley’s Lover“ wird unter literarischen Gesichtspunkten für gewöhnlich niedriger eingeschätzt als manch andere Werke des britischen Schriftstellers D.H. Lawrence (1885-1930), es ist jedoch zweifellos sein bekanntester und berüchtigtster. Dies verdankt sich nicht zuletzt seinem jahrelangen Publikationsverbot in vielen Ländern, die Anstoß an der naturalistischen Beschreibung der Affäre von Land-Edelfrau Constance Chatterley und dem Wildhüter Oliver Mellors und der drastischen Sprache nahmen. Der Dokumentarfilm „Der Prozess der Lady Chatterley – Orgasmus und Klassenkampf in einem englischen Garten“ (23.05-00.00) nimmt sich die letztlich vor Gericht ausgetragene Auseinandersetzung um das Buch vor, wo der Penguin Verlag im Jahr 1960 ein wegweisendes Urteil gegen die Britische Krone erreichen konnte. Regisseurin Mathilde Damoisel geht zudem auf die Rolle der Protagonistin in dem Roman ein, die sich durchaus auch als Emanzipationsgeschichte deuten lässt.

Zuvor zeigt arte an diesem Abend den Spielfilm „Lady Chatterley“ (20.15-23.05) von Pascale Ferran, mit dem die französische Regisseurin 2006 die Tradition von „Lady Chatterley“-Adaptionen durchbrach, die allein auf nackte Haut und geschmäcklerische Provokation gesetzt hatten. Ferran orientiert sich dabei an der alternativen Fassung des Stoffes, die Lawrence unter dem Titel „John Thomas and Lady Jane“ schon 1927 vollendete. Marina Hands spielt die junge Constance, die im England des Ersten Weltkriegs den gut situierten Clifford Chatterley (Hippolyte Girardot) heiratet. Als dieser querschnittsgelähmt und impotent von der Front zurückkehrt, ergibt sie sich in ihr Schicksal, pflegt den Invaliden und lebt ein eintöniges Leben. Doch in den Wäldern stößt sie auf den Jagdaufseher des Anwesens (Jean-Louis Coulloc’h), und über Standes- und Sittengesetze hinweg entwickelt sich eine leidenschaftliche Beziehung. Eine formal virtuose, von Naturalismus und ungezwungenen Charakteren beseelte Literaturadaption, die unter anderem fünf „Césars“ (auch als Bester Film) gewann.

Hier geht es zum Film in der arte Mediathek



Foto aus „Lady Chatterley“: Nathalie Eno

Kommentar verfassen

Kommentieren