Filmliteratur: Die Filme von Peter Goedel

Montag, 07.10.2019

Peter Nau widmet dem Filmschaffen des Münchner Autorenfilmers höchst spannende "Miniaturen"

Diskussion

Mit seiner charakteristischen Prosalyrik hat Peter Nau dem deutschen Regisseur Peter Goedel ein schmales Bändchen mit konzentrierten „Miniaturen“ gewidmet, die der Eigenart von Goedels Filmschaffen auf die Spur kommen. Die Monografie ist bei Synema in Wien erschienen.


„Das unbekannte Meisterwerk“ lautet der Titel einer lange überfälligen Publikation über den Filmemacher Peter Goedel, was das Thema trefflich auf den Punkt bringt. Goedel, der 1973 mit den ersten Arbeiten auf sich aufmerksam machte, bewegt sich auf dem schwierigen Terrain zwischen Dokumentar- und Spielfilm. Sein Name ist über den Kreis der Cinephilen hinaus wenig bekannt, obwohl einige seiner Filme zu den wichtigsten deutschen Produktionen der letzten Jahrzehnte zählen. Am ehestens kennt man noch Titel wie „Talentprobe“ (1980), „Das Treibhaus“ (1987) oder „Tanger" (1997). Das nur 51 Seiten umfassende Bändchen von Peter Nau schließt zumindest literarisch eine Lücke, da dies die erste Monografie über den klassischen Autorenfilmer Peter Goedel ist.

Auf den Spuren eines Mythos: "Tanger" von Peter Goedel
Auf den Spuren eines Mythos: "Tanger" von Peter Goedel

Nau nennt seine Texte zu den wichtigeren Filmen von Goebel „Miniaturen“. Jedem Film widmet er in seiner charakteristischen Prosalyrik jeweils eine Seite. Das ist ein Ansatz, der durchaus zu der verhaltenen filmästhetischen Gestaltung von Peter Goebel passt. In seiner reduzierten, poetischen Sprache gelingt es Nau durchaus, Goedels Werk auf die Spur zu kommen. Es ist ein Schreiben über Film, wie man es sich öfters wünschen würde.


Ein Faible für Massenkultur

Das Werk von Peter Goedel ist überschaubar; mit der „Peter Goedel Filmproduktion“ befasst sich Nau allerdings nicht. Dabei würden seine Produktionen durchaus ins Werkgefüge passen. „Rendezvous unterm Nierentisch“ (1987, Regie: Manfred Breuersbrock, Wolfgang Dresler, Dieter Fietzke) teilt Goedels Faible für die Wunder der Massenkultur, „Deutschfieber“ (1992, Regie: Niklas Schilling) passt zu Goedels Sinn für die Skurrilitäten der deutschen Teilung. Nur „Zugabe. Talentprobe“ (2009, Regie: Manfred Behrens) findet Aufnahme in das Buch, ein Film über Menschen, die Schlager singen und dabei echte Gefühle im Falschen produzieren. Gleiches gilt auch für „Gertis Schoppenstube“ (2009) oder „Ein Klubhaus erzählt“ (2010).

Werbe-Rolle aus den 1950er-Jahren "Rendezvous unterm Nierentisch", von Peter Goedel produziert
Werbe-Rolle aus den 1950er-Jahren "Rendezvous unterm Nierentisch", von Peter Goedel produziert

Den filigranen Spannungsbogen im Werk von Goedel könnte man als „von Canetti und Koeppen zu Kitsch und modernen Mythen“ beschreiben. Lauter Nischenprodukte. Vieles musste über die amphibische Schiene realisiert werden. Nau kommentiert: „Sein Jugendinstinkt hielt ihn jedoch vom Bildungsfernsehen fern. Die Stoffe lösen sich bei ihm aus der Konservierung, in der sie historisch zu werden drohen: der lebendige Augenblick, in dem die Bild- und Tonaufnahme erfolgt, ist immerzu mit im Spiel. Bei den Gesprächspartnern wirkt das Unausgesprochene, das Geheimnis ihrer Begabung an ihrem Auftreten mit und führt die Filme ins Freie.“


Reflexionen über das eigene Metier

Ein wichtiger Teil des filmischen Werks von Peter Goedel reflektiert deshalb auch das Medium. „Verschollen im Videoraum“ (1991), „La Star de Babelsberg“ (1994), „Stars unter Palmen“ (1996) und die Porträts „Alois Gugutzer, Filmvorführer“ (1979) und „Peter Przygodda, Schnittmeister“ (1993). Mitunter und sehr zu Recht fühlt sich Nau an seine eigene primäre Kinoerfahrung erinnert: „Die Stimmen und Musiken von damals, die Tonspur der Filme, die aus dem Kinosaal ins Foyer und bis in eine stille Seitenstraße hinausführte.“


Das unbekannte Meisterwerk. Die Filme von Peter Goedel. Von Peter Nau. Synema Verlag, Wien 2018. 51 S., 33 Abb., auch in Farbe. 15 EUR.

Im Buchhandel erhältlich und direkt bei SYNEMA (Wien): office@synema.at


Fotos: "Das Treibhaus" (oben); Peter Goedel Filmproduktion

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