Land der Einzelkinder (arte)

Donnerstag, 10.10.2019

22.10., 20.15-21.40, arte (ERSTAUSSTRAHLUNG)

Diskussion

Von 1979 bis 2015 galt in China die Ein-Kind-Politik, mit der das Bevölkerungswachstum eingeschränkt werden sollte. Die 1985 geborene Regisseurin Nanfu Wang wurde als Kind mit der massiven Staatspropaganda für die Beschränkung auf einen Nachkommen konfrontiert und erlebte die Nachteile, die ihre eigene Familie erduldete, weil sie neben Nanfu auch noch einen fünf Jahre jüngeren Sohn hatte; später erfuhr sie, dass ihre Mutter nur dank eines wohlmeinenden Dorfvorstehers der Zwangssterilisierung entging.

Das wahre Ausmaß der Ein-Kind-Politik und die massiven Menschenrechtsverletzungen und traumatischen Folgen für die Bevölkerung als Resultat davon realisierte Nanfu Wang jedoch erst, als sie – mittlerweile in den USA lebend und selbst Mutter geworden – für den Dokumentarfilm „Land der Einzelkinder“ nach China zurückkehrte. Ausgehend von Gesprächen mit ihrer eigenen Familie decken sie und ihre Co-Regisseurin Jialing Zhang zahlreiche Geschichten auf, die sich zu einer erschreckenden Bilanz der Ein-Kind-Politik verdichten: Unerbittliche staatliche Härte bei der Durchsetzung, Zwangsabtreibungen, Kindstötungen und Entführungen, ausgesetzte Babys, Menschenhandel, Bespitzelungen, Ausgrenzung. Bei all dem zeigt der äußerst beklemmende Film aber auch, dass viele der Betroffenen die Maßnahme nach wie vor für richtig halten; inwiefern dies ein Ergebnis der über dreieinhalb Jahrzehnte mit Plakaten, Liedern, Opern etc. durchgeführten Propaganda ist, lässt „Land der Einzelkinder“ offen. Abschließende Bilder über die neue Politik, die nunmehr „Ein Kind ist zu wenig, zwei Kinder sind genau richtig“ propagiert, mögen für sich stehen. – Sehenswert ab 16.


Foto: Nanfu Wang

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