Hindafing - Staffel 1

Freitag, 11.10.2019

Eine sardonische Dorfkrimi-Serie mit hintersinnigem Humor

Diskussion

Unnachahmlich knappe Dialoge, wie sie vielleicht nur das bayerische Idiom zustande bringt: "Wos is’n des?", fragt der Hindafinger Großmetzger Sepp Goldhammer, als er den Bürgermeister Alfons Zischl und den Ortspolizisten Erol nächtens am lokalen Wasserreservoir mit einem eindeutig als menschlichen Körper zu identifizierenden Paket erwischt. "Wos is wos?", fragt Zischl zurück. Um schließlich doch noch hinzuzufügen: "Des is nix!".

"Hindafing" ist ein wunderbarer Glücksfall, eine Serie so abgründig, witzig und gegen den fernsehüblichen Strich gebürstet. Das von den Drehbuchautoren Niklas Hoffmann, Boris Kunz und Rafael Parente gemeinsam erfundene bayerische Städtchen ist ein farbloser, trister Ort zwischen Autobahnen, zersiedelten Landschaften und Industrieruinen. Nicht pittoreske Milchviehbetriebe oder eine hübsche Dorfkirche prägen ihn, sondern ein dubioser Großschlachtbetrieb und der hässliche Rathaus-Betonklotz, in dem Bürgermeister Zischl (Maximilian Brückner) residiert. Und erst der Himmel: Der ist hier grau oder vielleicht auch mal weiß – aber niemals, wirklich niemals weiß-blau.

Was nun ganz und gar nicht bedeutet, dass hier nicht der typisch süddeutsche Größenwahn zuhause wäre: Zischl hat mit einem gigantischen Windrad-Projekt bereits viel Geld in den Sand gesetzt, weshalb er der strukturschwachen Gemeinde nun mit dem Bio-Einkaufscenter "Donauvillage" zu neuem Glanz verhelfen möchte. Blöd nur, dass der leicht korrumpierbare, Crystal Meth schnupfende Bürgermeister innerhalb kürzester Zeit vom halben Ort erpresst wird und sich zunehmend im Netz seiner zahlreichen Intrigen und Amigo-Geschäfte verheddert. Die Serie macht daraus einen sardonischen Dorfkrimi mit moralisch fragwürdigem, nichtsdestotrotz aber doch auch sympathischem Personal, hintersinnigem Humor, einer mitreißenden Dramaturgie sowie einer präzise durchdachten Bildsprache.

Hier geht es zur Serie in der ARD Mediathek



Foto: BR/Neuesuper Produktions GmbH/Günther Reisp

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