Tobias Kniebe gewinnt den Siegfried-Kracauer-Preis 2019

Dienstag, 05.11.2019

Mit dem Siegfried-Kracauer-Preis und dem Siegfried-Kracauer-Stipendium würdigen die Auslober Wert und Bedeutung von Filmkritik

Diskussion

Mit dem Siegfried-Kracauer-Preis und dem Siegfried-Kracauer-Stipendium würdigen die Auslober Wert und Bedeutung von Filmkritik.


Der Filmkritiker Tobias Kniebe ist der Gewinner des mit 3000 Euro dotierten Siegfried Kracauer Preises 2019. Seine in der Süddeutschen Zeitung erschienene Kritik „Der Mann im Schleudersitz“ über den Film „Aufbruch zum Mond“ von Damien Chazelle setzte sich gegen 116 andere Texte durch, die sich um die Auszeichnung als „Beste Filmkritik“ beworben hatten. Für den Preis, der im Rahmen der Biberacher Filmfestspiele verliehen wurde, waren überdies drei andere Autoren und eine Autorin nominiert: Dietmar Dath mit „Wir sind überall, ihr habt es nur noch nicht gemerkt“ (FAZ) zu „Ocean’s 8“, Daniel Kothenschulte mit „Ein falsches Bild“ (Monopol) zu „Werk ohne Autor“, Michael Pfister mit seiner Filmkritik zu „Nuestro Tiempo“ (Filmbulletin) sowie Silvia Szymanski mit ihrer Filmkritik zu „Shayne“ (critic.de).

In der Begründung hob die Jury hervor, dass Kniebes „so vielschichtig wie leichtfüßig geschriebener Text das Bedürfnis nach Auseinandersetzung mit diesem Film, seiner Form und seiner zeitgeschichtlichen Verortung“ wecke. Weiter heißt es: „Kniebe findet in der Darstellung des vergangenen Amerika die Signaturen eines gegenwärtigen, das sich und uns deshalb andere Geschichten erzählen muss, das andere Bilder suchen und andere Helden finden muss als noch in den 1960er-Jahren. Ein Abgesang ohne Lamento, kühl und doch im melancholischen Bewusstsein, dass alles hätte anders kommen können – und dass alles anders sein kann.“

In der Begründung für die lobende Erwähnung für „Ein falsches Bild“ von Daniel Kothenschulte betonte die Jury: „Der Text zeigt, statt Häme auszuschütten, was Kritik auch können soll: dass ein negatives Urteil nicht auf Kosten der beschreibenden und analytischen Genauigkeit gehen darf.“

„Filme brauchen die öffentliche Auseinandersetzung, um wahrgenommen zu werden. Filmkritiken schaffen es durch ihre genaue Betrachtung der Filme, die Neugierde zu wecken. Wir lassen uns auf sie ein und fördern mit dem Siegfried Kracauer Preis die Arbeit von herausragenden Filmkritikern und FIlmkritikerinnen“, begründete Carl Bergengruen das Engagement der MFG Baden-Württemberg, die zusammen mit der Film- und Medienstiftung NRW den Preis in Zusammenarbeit mit dem Verband der deutschen Filmkritik ausrichtet.


Till Kadritzke ist der neue Siegfried-Kracauer-Stipendiat

Der mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Siegfried Kracauer Preis für die Beste Filmkritik und ein Jahresstipendium wurde bereits zum sechsten Mal verliehen. Die Fachjury, zusammengesetzt aus Vertretern der Sparten Produktion, Kreation und Kritik, bestand 2019 aus dem Filmproduzenten Jochen Laube, dem Kameramann und Regisseur Hajo Schomerus und der Filmkritikerin Cosima Lutz, der Gewinnerin des Siegfried Kracauer Preises 2018.

Die Jury entschied auch über die Vergabe des mit 12.000 Euro ausgestatteten Jahresstipendiums, für das sich 10 Filmkritiker*innen beworben hatten. Es geht an den Filmkritiker Till Kadritzke für sein Exposé einer „Politischen Cinephilie“, die er in einer Essay-Serie und einem Blog in den nächsten zwölf Monaten entfalten wird. Die im Rahmen des Stipendiums entstehenden Texte erscheinen auf filmdienst.de, der als Medienpartner die Initiative zur Förderung des Schreibens über Film unterstützt.

Weitere Informationen zu den bisherigen Siegfried-Kracauer-Preisträgern und -Stipendiaten finden sich unter der gleichlautenden Rubrik auf filmdienst.de und auf der Siegfried-Kracauer-Preis-Seite der MFG Baden-Württemberg.


Foto von der Preisverleihung (v.l.n.r.): Carl Bergengruen (MFG Baden-Württemberg), Tanja Güß (Film- und Medienstiftung NRW), Helga Reichert (Intendantin Biberacher Filmfestspiele), Tobias Kniebe, Till Kadritzke, Dunja Bialas (Verband der deutschen Filmkritik), Jochen Laube (Jury). ©: Georg Kliebhan/Biberacher Filmfestspiele

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