Frantz (ZDF)

Freitag, 08.11.2019

17.11., 01.00-02.45, ZDF (ERSTAUSSTRAHLUNG)

Diskussion

Es ist eine seltsame Entscheidung des ZDF, François Ozons kunstvollem Drama einen derart versteckten Platz im Nachtprogramm zuzuschieben, der hoffen lässt, dass das Filmjuwel zumindest in der ZDF-Mediathek auftauchen wird. Ozon taucht auf ungemein subtile Art in die deutsche wie französische Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg ein, erweist aber auch einmal mehr der Filmgeschichte Reverenz: „Frantz“ geht auf dieselbe Vorlage zurück wie Ernst Lubitschs Melodram Der Mann, den sein Gewissen trieb (1931). Bei Ozon steht die junge Deutsche Anna (Paula Beer) im Zentrum, die 1919 am Grab ihres im Krieg gefallenen Verlobten den trauernden Franzosen Adrien (Pierre Niney) entdeckt und bei den Eltern des Toten (Ernst Stötzner, Marie Gruber) einführt. Auf ihr Drängen hin malt er ihre aus der Vorkriegszeit resultierende Freundschaft und eine gemeinsam in Paris verbrachte Zeit aus. Die feinen Schilderungen des vor Ort angefeindeten Franzosen wecken bei der Verlobten Gefühle, bis er ein die Verhältnisse umwälzendes Geständnis macht.

Mit großer Ruhe und Leichtigkeit entwickelt die Inszenierung eine ebenso schöne wie tieftraurige Geschichte um Schuld, Einsamkeit und heilsame Fiktionen, aber auch um Vergebung und das Vermögen, die Lebensfreude zu entdecken. Fokussiert auf den Schmerz und die Entwicklung einer jungen Frau, der nach einem großen Verlust ein zweiter droht, bricht immer dann Farbe in den Schwarz-weiß-Film ein, wenn Momente des Glücks und der Kunst auf eine hoffnungsvollere Zukunft deuten. – Sehenswert ab 14.


Foto: X-Verleih/ZDF

Filmdetails
Kommentar verfassen

Kommentieren