Betty Blue - 37,2 Grad am Morgen

Freitag, 22.11.2019

Radikal stilisiertes Liebesdrama

Diskussion

Als das radikal ästhetisierte Liebesdrama des französischen Regisseurs Jean-Jacques Beineix 1986 in die deutschen Kinos kam, hatte der Verleih das manisch-heroische, stolze 178 Minuten lange Werk um knapp ein Drittel gekürzt, wodurch von der obsessiven Beziehungsgeschichte zwischen Betty (Béatrice Dalle) und Zorg (Jean-Hughes Anglade) nur noch ein Torso übrigblieb, ein delirierendes Rumpfdrama um ein Paar auf der Suche nach sich und einem Ort, wo es seine Liebe leben kann.

Es dauerte Jahre, bis Beineix seine ursprüngliche Version als „Director’s Cut“ wiederherstellte, die gegenüber der Readers-Digest-Version nun 63 Minuten länger ist. Darin ist die Handlung ganz an den Schriftsteller Zorg und seine Off-Kommentare zurückgebunden, der sich aufopferungsvoll um seine lebenshungrige, an einer Borderline-Störung leidende Gefährtin kümmert, aber auch selbst mit Einsamkeitsgefühlen und den Zumutungen eines trostlosen Daseins zu kämpfen hat. Nur die starke sexuelle Anziehung zwischen beiden hält das Paar am Leben.

Der Titel spielt mit „37,2 Grad am Morgen“ auf eine erhöhte Körpertemperatur an, die als ein Zeichen für eine mögliche Schwangerschaft von Betty gelesen werden und einen Ausweg aus ihrer Misere darstellen könnte.

3sat zeigt die ursprüngliche Version derextravaganten Literaturverfilmung nach Philippe Djian, die in ihrer Stilisierungswut der Unbedingtheit ihrer Protagonisten in nichts nachsteht. – Ab 16.

Hier geht es zum Film in der 3sat Mediathek



Foto: 3sat

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