Das Gefühl des Wegfliegens

Montag, 25.11.2019

Über die Genese der Gospel-Musik und ihre mitreißende Kraft im Kino-Dokumentarfilm

Diskussion

Der Musikstil des Gospels entstand unmittelbar aus den Leiden der schwarzen Sklaven in den USA heraus und ist bis heute fester Bestandteil vieler afroamerikanischer Gottesdienste. Rekonstruierte Dokumentarfilme wie Aretha Franklin: Amazing Grace (ab 28.11. im Kino) zeugen davon, wie sehr die Performance der Sänger*innen und Musiker*innen von ekstatischen Ausbrüchen und aktiver Teilnahme des Publikums lebt, und beziehen daraus auch filmische eine enorme Kraft.


Lange schon sitzt keiner mehr. Alle springen, drehen sich, stehen Schulter an Schulter, manche knien enthusiastisch mit Blick zum Himmel und singen aus ihren Seelen. Die Tränen stehen den Sängerinnen vor dem Altar in den Augen, sie müssen schwer schlucken, brechen ab und verlassen die Bühne. Der Raum fängt ihr emotionales Schweigen auf und trägt es aus der Kirche hinein in eine hoffnungslose Welt der Unterdrückung. Ein mögliches Idealbild einer Gospelerfahrung. Vom Gefühl davonfliegen zu können, spricht Willie Mae Ford Smith (meist kurz: Mother Smith), eine der großen Gospelsängerinnen des vergangenen Jahrhunderts im lange übersehenen Direct-Cinema-Glanzstück Say Amen, Somebody (1982) von George T. Nierenberg (Kamera: Ed Lachman und Don Lenzer). In dieser Musik könne man die Welt verlassen.

"Say Amen, Somebody" (1982) wurde vor kurzem restauriert und neu aufgeführt
"Say Amen, Somebody" (1982) wurde vor kurzem restauriert und neu aufgeführt

„Say Amen, Somebody“ wurde vor kurzem digital restauriert und in New York wiederaufgeführt. Zusammen mit Aretha Franklin: Amazing Grace, den Alan Elliott aus 1972 gedrehtem Material von Sydney Pollack herstellte, markiert er ein starkes Wiederaufleben dieser Musik im Kino. Sonst kennt man den Gospel vor allem aus Hollywoodfilmen über die Sklaverei oder im weitesten Sinne D

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