Die Beichte (arte)

Donnerstag, 28.11.2019

11.12., 20.15-22.05, arte (ERSTAUSSTRAHLUNG)

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Der 1952 publizierte Roman „Léon Morin, prêtre“ der belgisch-französischen Schriftstellerin Béatrix Beck gewann seinerzeit den Prix Goncourt und wurde bereits 1961 ein erstes Mal verfilmt: Der für seine Thriller bekannte Regisseur Jean-Pierre Melville begab sich damit mit Jean-Paul Belmondo und Emmanuelle Riva in den Hauptrollen auf das für ihn eher ungewohnte Terrain eines Gesellschaftsdramas und zurückhaltenden Liebesfilms, die allerdings ihm sehr zentrale Motive wie die Konfrontation von Idealen mit einer zynischen Welt und die Zeit der deutschen Besatzung und der Résistance berührten. Auch Nicolas Boukhrief, der 2015 unter dem Titel „Die Beichte“ den Roman neu verfilmte, wird als Regisseur vor allem mit seinen Action- und Thrillerfilmen wie Off Limits – Wir sind das Gesetz identifiziert, in denen freilich moralische Fragen auch immer schon eine Rolle spielten.

Boukhrief versucht eine Neuinterpretation, die verschiedene Akzente anders setzt als Melville und eine Rahmenhandlung in der jüngeren Gegenwart verankert: Eine im Sterben liegende alte Dame ruft einen Priester an ihr Totenbett, obwohl sie als ungläubig gilt. Ihre Beichte ist dann auch vor allem ein Erinnerungsbericht an die Begegnung mit dem Pfarrer Léon Morin (Romain Duris) in den 1940er-Jahren. Barny (Marine Vacth) lebt als Postangestellte mit ihrer kleinen Tochter in einem Dorf, ihr Mann ist in Kriegsgefangenschaft in Deutschland. Die Kommunistin und Atheistin fühlt sich in ihren Überzeugungen herausgefordert, als der junge Morin seine Stelle antritt und ihre Kolleginnen die Begeisterung für den redegewandten und gutaussehenden Priester gar nicht mehr zügeln können. Barny sucht die Konfrontation, begegnet aber in Morin einem Mann, der ihr auf freundliche Weise Kontra gibt und ihre Ablehnung der Religion in tiefgründigen Debatten ins Wanken bringt. Zugleich entwickeln sich aber auch Gefühle zwischen ihnen, die durch ihre Ehe und seinen Priesterstand für beide höchstproblematisch sind.

„Die Beichte“ entwickelt sich so im zentralen Konflikt zum Gewissensdrama, das durchaus überzeugend auf die Unverzichtbarkeit von Idealen für jede Gesellschaft eintritt. Die betonte Attraktivität der Hauptdarsteller lenkt den Film allerdings auch in Richtung eines konventionellen Dramas um „verbotene Liebe“, zudem sind die Nebenfiguren ebenso plakativ gezeichnet wie der Zeithintergrund. Dennoch lohnt der Film die Auseinandersetzung, gerade auch im Vergleich mit Melvilles streng komponiertem Film. – Ab 14.


Foto: Eric Travers

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