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4 Blocks - Staffel 3

Freitag, 13.12.2019

Diskussion

Die letzte Staffel der Gangster-Serie um einen kriminellen libanesisch-stämmigen Familienclan in Berlin-Neukölln: Nach dem Attentat auf seine Frau Ende der zweiten Staffel hat das Oberhaupt die Geschäfte an seinen Bruder abgegeben, kommt trotzdem aber nicht aus den Verstrickungen los.


Raus aus der organisierten Kriminalität und rein in eine bürgerliche Existenz: Seit der ersten Staffel von „4 Blocks“ verfolgt Ali „Toni“ Hamady (Kida Kodr Ramadan) dieses Ziel. Doch auch zwei Staffeln und 13 Folgen später hat das Oberhaupt eines in Berlin-Neukölln lebenden libanesischen Familienclans dieses Ziel noch nicht erreicht. Sah es zum Ende der zweiten Staffel fast so aus, als könnte sein Leben in ruhigeren Bahnen verlaufen, durchkreuzte ein Attentat in seinem eigenen Haus in der letzten Szene doch noch seine Pläne.

Die dritte und letzte Staffel setzt direkt bei dieser Tat an und zeigt einen desillusionierten Toni, der das Geschehene nur ganz langsam zu begreifen scheint. Dennoch gelingt es ihm, ein neues Kapitel aufzuschlagen, was ein Zeitsprung verdeutlicht, der ein Jahr später fortfährt. Toni hat die Geschäfte der Familie an seinen Bruder Abbas (Veysel Gelin) abgetreten und widmet sich einer Fußballmannschaft mit Jugendlichen, die er von der Straße holt und denen er durch den Sport eine Chance geben möchte. Damit scheint er dem Leben außerhalb der Drogenszene einen großen Schritt nähergekommen zu sein.

Familie ist alles

Während die erste Staffel von „4 Blocks“ die Genre-Handlung mit einem authentischen Bild des Berliner Kiezes verband, wirkte bereits die Fortsetzung in Staffel 2 klischeebehafteter und flüchtete sich in die Standards des Gangsterfilms; auch das höhere Gewaltlevel konnte nicht verbergen, dass die Geschichte an Dynamik verlor. In den finalen Folgen von Staffel 2 nahm die Handlung zwar wieder an Fahrt auf, doch die Themen und Motive bleiben die gleichen. Über allem schwebt das Motto: „Familie ist alles“. Wer dem nicht folgt, muss mit tödlichen Konsequenzen rechnen.

Es geht um Freund- und Feindschaften, um Vertraute und Verräter. Erneut gibt es die Staatsgewalt, die dank einer neuen LKA-Beamtin vehementer denn je dem Treiben des Hamady-Clans ein Ende setzen möchte. Trotz zahlreicher Handlungsstränge wirkt der Plot der dritten Staffel aber nicht überladen oder gehetzt; die Handlungsfäden werden vielmehr konsequent weiter- und zu einem Ende geführt.

Stilistisch bleibt sich die Serie auch in der dritten Staffel treu: Die Sprache ist derb-beleidigend und immer explizit, Kraftausdrücke sind an der Tagesordnung, Humor und Ironie gibt es selten bis gar nicht, Gewaltandrohung oder -ausübung dafür umso mehr. Auch wenn die neuen Folgen weniger brutal anmuten, ereignen sich gewaltsame Akte häufig und ohne große Vorwarnung.

Die Schlinge zieht sich zu

Toni wird einmal mehr als ambivalenter Charakter beschrieben, der einerseits aus dem kriminellen Geschäft aussteigen will, andererseits aber doch die Familie zusammenhält. Das funktioniert als innerer Konfliktherd auch in Staffel 3 leidlich gut; bei anderen Figuren ist das Entwicklungspotenzial allerdings ausgeschöpft. Da allerdings reichlich Zündstoff von außen herangetragen wird, tut das der Spannung keinen Abbruch. Regisseur Özgür Yıldırım, der auch schon vier Folgen der zweiten Staffel inszenierte, zieht die Schlinge um die Hamadys im Verlauf der packenden sechs Folgen immer weiter zu und setzt im Finale mehr auf Thriller-Elemente und emotionale Momente denn auf Gewaltexzesse. Das alles ist vielleicht nicht sonderlich subtil und tiefgreifend, für die derbe Parallelwelt, die die Serie kreiert, aber auch nicht falsch.

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