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Der Boss, Walt Disney und die vergessenen Oscars

Sonntag, 05.01.2020

Der Filmpionier Ernst A. Heiniger

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Virtual Reality und 360-Grad-Optiken sind heute im Trend. Ganz neu ist die Idee der Immersion allerdings nicht. Der Schweizer Fotograf, Kameramann und Filmpionier Ernst A. Heiniger (1909-1993) war sein Leben lang dem Traum vom kompletten Eintauchen des Zuschauers in künstlerische Welten auf der Spur. Der Dokumentarfilm von Patricia Banzer zeichnet Heinigers Versuche nach, mit einem „Swissorama“ getauten 360-Grad-System die Sehgewohnheiten zu revolutionieren. Doch die Zeit und auch die Technik war dafür noch nicht reif.

Heiniger war allerdings mehr als technisch versierter Erfinder, wie Banzers Recherchen zu Tage förderten, die ihn als nahezu vergessenen Schweizer Filmschaffenden neu entdeckt. Heiniger prägte in den 1930er-Jahren nachhaltig die Schweizer Fotografie als sogenannter Vertreter des Neuen Sehens.Sein vielseitiges Werk gibt tiefe Einblicke in das Schaffen eines Künstlers, der sich nach der Flucht vom elterlichen Bauernhof alles selbst beibrachte. 1932 reiste er als Fotograf in die Sowjetunion, wo er Sergei Eisenstein kennenlernt; bei der Weltausstellung für Fotografie 1952 in Luzern freundete er sich mit Walt Disney an, für den er diverse dokumentarische Filme drehte, unter anderem die mit „Oscars“ ausgezeichneten Kurzdokumentationen „Ama Girls“ (1957) und „Grand Canyon“ (1958).

„Der Boss, Walt Disney und die vergessenen Oscars“ rekapituliert ein wenig bekanntes Kapitel Schweizer Film- und Fotografie-Geschichte. In Gesprächen mit Heinigers ehemaligen Mitarbeitern, Disney-Vertretern und seiner Nichte in Texas wird aber auch deutlich, dass Heiniger nicht nur ein Weltmeister der Selbstvermarktung, sondern vor allem ein stolzer Eigenbrötler war. Nur seine Frau Jean stand ihm nahe. Mit ihr bereiste er die ganze Welt, nicht zuletzt dank der großzügigen Unterstützung von Walt Disney.

Hier geht es zum Film in der 3sat Mediathek

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