© Les Films Marcel Pagnol

Die Tochter des Brunnenbauers

Dienstag, 07.01.2020

Filmklassiker über zwei provenzalische Familien beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs

Diskussion

Von Hause aus Bühnen- und Romanautor, war Marcel Pagnol (1895-1974) auch als Filmemacher der unbestritten wichtigste Chronist seiner provenzalischen Heimat, der die Mittel des Kinos als zusätzliche Chance begriff, seinen saftigen Charakteren und treffsicheren Dialogen einen passenden visuellen Rahmen zu verleihen. So schuf er auch als Regisseur eine Reihe von Klassikern, zu denen in Frankreich auch „Die Tochter des Brunnenbauers“ (1940) gehört. In Deutschland lief er dagegen nie im Kino und erlebt nun auch auf arte erst mit 80-jähriger Verspätung in restaurierter Form seine Premiere – Grund dafür dürften die Umstände des Drehs sein, der kurz vor der deutschen Invasion Frankreichs begann und diese nach der Kapitulation der Franzosen ebenso ins Szenario einarbeitete wie die Aufteilung des Landes in die deutsch besetzte Nordzone und das Vichy-Regime aus Kollaborateuren im Süden und damit auch in der Provence.

So ist Pagnols Film konsequent zwischen Heiterkeit und Tragik, mit einer deutlichen Tendenz zum Gefühlvollen, angelegt: Kurz vor Kriegsausbruch verliebt sich Patricia (Josette Day), die 18-jährige Tochter des Brunnenbauers Pascal Amoretti (Raimu), in den Soldaten Jacques (Georges Grey), der kurz darauf zurück zu seiner Einheit muss. Als sie entdeckt, dass sie schwanger ist, bemüht sich ihr Vater um eine Übereinkunft mit den reichen Eltern des Kindsvaters (Fernand Charpin, Line Noro), wird aber von diesen zurückgestoßen. Währenddessen bemüht sich sein gutmütiger Gehilfe Félipe (Fernandel) um die scheinbar Verschmähte.

Herausragend in der Pracht seiner Naturbilder und brillant in der Darstellung, verbindet Pagnol die Idylle der Provence mit den Schrecken des Krieges, wobei die schlagfertigen Dialoge die Überlänge des Films deutlich kompensieren. – Sehenswert ab 14.

Hier geht es zum Film in der arte Mediathek

Filmdetails
Kommentar verfassen

Kommentieren