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Im „Oscar“-Fieber

Freitag, 07.02.2020

In der Nacht vom 9. auf den 10. Februar werden im Dolby-Theater in Los Angeles die 92. „Academy Awards“ verliehen

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In der Nacht vom 9. auf den 10. Februar werden die „Oscars“ verliehen. Unter den nominierten Filmen finden sich viele Kritiker- und Branchen-Favoriten. Die größten Chancen werden dem ungewöhnlichen Superschurken-Thriller „Joker“ von Todd Phillips eingeräumt. Aber auch „Once Upon a Time in Hollywood“ von Quentin Tarantino und „1917“ von Sam Mendes gelten als Kandidaten für den "Besten Film".


Erstmals in der Geschichte der „Oscars“ könnte ein Film, der (wenn auch lose) auf Comic-Vorbildern beruht, am Ende als lachender Sieger des berühmtesten Filmpreises der Welt heimgehen. Bei der Bekanntgabe der „Oscar“-Nominierungen am Morgen des 13. Januars 2020 in Los Angeles jedenfalls fand sich „Joker“, in dem Regisseur Todd Phillips die „Origin Story“ des „Batman“-Widersachers ganz ohne Batman und andere fantastische Elemente erzählt, elf Mal auf der Nominierungsliste. In einem Jahr, in dem einerseits das Superhelden-Spektakel „Avengers: Endgame“ zum erfolgreichsten Film aller Zeiten wurde und andererseits Martin Scorsese als Fürsprecher des Erzählkinos speziell den Adaptionen der Marvel-Comics filmischen Wert abgesprochen hatte, lässt sich dies durchaus auch als Signal der „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ sehen: Als Plädoyer für einen Mittelweg, der Comic-Verfilmungen nicht generell ausklammert, sondern ihren originellen Vertretern einen gebührenden Platz neben den traditionelleren Stoffen einräumt.

Die Kontroverse um angebliche Gewaltverherrlichung schadete „Joker“ zwar nicht bei den Nominierungen, die spaltenden Reaktionen könnten aber bis zu der Preisverleihung durchaus noch entscheidend sein. Wahrscheinlicher als Sieger hervorgehen könnten zwei traditionellere Filme, die mit jeweils zehn Nominierungen ins Rennen gehen: Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“ und Sam Mendes’ „1917“. Vor allem für Tarantino könnte es nach seinen zwei Drehbuch-„Oscars“ diesmal zu mehr reichen, nachdem sein Film sich seit der Cannes-Premiere hartnäckig an der Spitze der Prognosen gehalten hatte. Sam Mendes’ technisch virtuoser, scheinbar in einer Einstellung gedrehter Kriegsfilm war dagegen erst spät und ohne große Festival-Premiere ins Rennen eingestiegen, hatte in den letzten Wochen allerdings viel Boden gutgemacht und konnte die „Academy“-Mitglieder ebenfalls für sich einnehmen, sodass der Regisseur nach „American Beauty“ durchaus seinen zweiten „Oscar“ gewinnen könnte.

Auf "Parasite" entfallen sechs Nominierungen

Insgesamt wurden dieses Jahr wieder neun Filme für den Hauptpreis nominiert, wobei sich neben die Werke von Phillips, Tarantino und Mendes Altmeister Martin Scorsese mit „The Irishman“, auf den ebenfalls zehn Nominierungen entfielen, Taika Waititis Mischung aus Jugenddrama und Nazi-Groteske „Jojo Rabbit“, Greta Gerwigs „Little Women“-Version, das Rennfahrer-Drama „Le Mans 66“, Noah Baumbachs Scheidungs-Tragikomödie „Marriage Story“ und Bong Joon-hos gefeierte, in Cannes mit der „Goldenen Palme“ gekrönte Gesellschaftssatire „Parasite“ gesellten – neben „Joker“ im Übrigen der einzige Film in der Auswahl zumindest mit (verfremdetem) Bezug auf drängende Gegenwartsprobleme. Mit sechs Nennungen für „Parasite“ leistet die „Academy“ zudem auch etwas Buße für das bisherige Versäumnis, mit Südkorea eine der meist beachteten, auf Festivals regelmäßig gefeierten F

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